Die Grippewelle ist in vollem Gange

Mitten in der Hochzeit des Karnevals grassiert die Grippewelle. Das Robert Koch Institut hat einen starken Anstieg der Infektionen festgestellt. Die Infektionsraten sind höher als in den vergangenen Jahren. Insbesondere Nordrein-Westfalen ist stark betroffen. Unter den Erregern ist auch der Schweinegrippe-Virus H1N1, der bereits zu starken AusbrĂŒchen in Indien gefĂŒhrt hat.

Aktuelle Informationen zum Verlauf der Grippewelle erhalten Sie im GrippeWeb, einem Projekt des RKI.

Das RKI empfiehlt die folgenden Verhaltensmaßnahmen:

“WĂ€hrend der Grippewelle sollte insbesondere auf infektionsvermeidendes Verhalten, wie regelmĂ€ĂŸiges und grĂŒndliches HĂ€ndewaschen oder das Abstandhalten zu Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung, geachtet werden. Hierzu gehört auch, dass beispielsweise Großeltern den Besuch bei ihren Enkelkindern verschieben könnten, wenn diese gerade eine akute Atemwegserkrankung haben. Weitere Verhaltenstipps finden Sie unter folgendem Pfad: http://www.wir-gegen-viren.de/content/index/7.”

Bereits 95 Schweinegrippe-Tote in Indien seit Jahresbeginn

Der H1N1-Virus “Schweinegrippe” hat in Indien seit Jahresbeginn 2013 bereits 95 Todesopfer gefordert. Insgesamt gab es nahezu 500 gemeldete H5N1-InfektionsfĂ€lle. Der Schwerpunkt der tödlichen Infektionen liegt in der Provinz Rajasthan. Die Experten rĂ€tseln noch ĂŒber die Ursachen dieses starken Anstiegs der tödlichen Infektionen. Eine der Ursachen wird in einem verlĂ€ngerten Winter in Morden Indiens vermutet, der die Übertragung des Virus durch die Luft begĂŒnstigt haben könnte.

Quelle: timesofindia

Forschung am “H5N1-Killervirus” soll wiederaufgenommen werden

Vor rund einem Jahr erklĂ€rten Wissenschaftler weltweit ein Moratorium fĂŒr die weitere Forschung an mutierten H5N1-Viren, die sich wie das Schweinegrippe-Virus leicht ĂŒbertragen lassen und gleichzeitig die hohe Sterblichkeitsrate des Vogelgrippe-Virus besitzen. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung FAS verfĂŒgt jetzt ĂŒber Informationen, dass dieses Moratorium in der kommenden Woche beendet werden soll. In dem Beitrag der FAS, der es sogar auf die Titelseite gebracht hat “Forscher dĂŒrfen Killerviren zĂŒchten”, wird der amerikanische Risikoforscher Peter Sandman zitiert. Nach seinen Erkenntnissen kĂ€men LaborunfĂ€lle in den Biowissenschaften hĂ€ufig vor. Die meisten blieben geheim, so Sandman, und Beinahe-UnfĂ€lle wĂŒrden weder gemeldet noch katalogisiert und ausgewertet. Eine Diskussion unter den Experten ist entbrannt, die zeigt, dass das einjĂ€hrige Moratorium offensichtlich nicht genutzt worden ist, um einen Konsens ĂŒber eine sichere Vorgehensweise in der Forschung mit “Killerviren” zu erzielen. Ausser Frage ist, dass sogenannte “Killer-Viren” wie SARS, Ebola oder Pocken in den falschen HĂ€nden eine verheerende Waffe darstellen.  DemgegenĂŒber steht der Erkenntnisgewinn aus der Forschung mit diesen Viren. Wieder stehen wir vor der schwierigen Situation des Risikomanagements: wieviele Risiken wollen wir akzeptieren, welche Strategien gibt es, diese Risiken zu mindern oder soll ganz auf “Vermeidung”, also “Forschungsstopp” gesetzt werden. Wieder hilft ein Blick in die Luftfahrt. Die Menschen wollen gĂŒnstig und schnell in den Urlaub fliegen. Doch Fliegen ist potentiell gefĂ€hrlich und gar tödlich (wenn auch nicht so gefĂ€hrlich wie die tĂ€gliche Fahrt mit dem Auto 😉 ). Die Luftfahrtbranche hat ĂŒber Jahre ein hoch wirksames Sicherheitssystem entwickelt, das dazu gefĂŒhrt hat, dass 2012 als das Jahr mit den wenigsten Toten im zivilen Luftverkehr in die Geschichte eingeht. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – der öffentlichen Meldungen ĂŒber technische Probleme bei den aktuellen Neu-Entwicklungen von Airbus und Boeing. Wir können uns darauf verlassen, dass fĂŒr die Sicherheit alles menschenmögliche – und nicht nur alles wirtschaftliche – getan wird. Wenn man die jetzt aufkeimende Diskussion der Experten ĂŒber die Sicherheit in der Forschung mit “Killerviren” verfolgt, muss man zum Schluß kommen, dass auch das Moratorium keine internationalen Standards und Sicherheitsmechanismen hervorgebracht hat. Solange aber nicht ein mindestens mit der Luftfahrt vergleichbares internationales Sicherheitssystem existiert, in dem VorfĂ€lle gemeldet werden, unabhĂ€ngige Audits durchgefĂŒhrt werden und nachweislich nicht nur das wirtschaftliche, sondern das menschenmögliche fĂŒr die Sicherheit unternommen wird, sollte das Moratorium verlĂ€ngert werden. Und diese Zeit muß fĂŒr die Entwicklung dieses Sicherheitssystems genutzt werden, wie auch fĂŒr die glaubhafte Dokumentation dieser Maßnahmen an die Öffentlichkeit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO steht hier in einer großen Verantwortung, denn dies kann nur auf internationaler Ebene geschehen. Ein Flugzeugabsturz kann viele hunderte von Menschenleben kosten, ein “Killer-Virus” in den HĂ€nden von Terroristen bedroht Millionen von Menschen weltweit.

Schweinegrippe-Impfstoff landet in der MĂŒllverbrennung

Das Haltbarkeitsdatum des Impfstoffs gegen die Schweinegrippe (H1N1) lĂ€uft in den nĂ€chsten Wochen ab. Von den an die LĂ€nder gelieferten 34 Millionen Dosen Pandemrix des Hersteller Glaxo-Smith-Kline, im Gegenwert von rund 300 Millionen Euro, lagern noch rund 30 Millionen Dosen an geheimen Orten der BundeslĂ€nder, wie die FAZ heute in ihrer Printausgabe berichtet. Der Impfstoff muss nun vernichtet werden, da das Haltbarkeitsdatum erreicht ist und die Schweinegrippe-Impfung mittlerweile Bestandteil der regulĂ€ren Grippe-Impfung ist.  Auch hilfsbedĂŒrftige Staaten hatten kein Interesse an dem Impfstoff. So wandern jetzt Impfstoffe im Wert von rund 250 Millionen Euro in die MĂŒllverbrennungsanlagen. Auf den Kosten fĂŒr die Beschaffung und Vernichtung des Impfstoffs bleiben die BundeslĂ€nder sitzen. Der Bund hatte eine KostenĂŒbernahme mehrfach abgelehnt. Auch Unternehmen, die fĂŒr sich einen eigenen Vorrat des Impfstoffs angelegt haben, mĂŒssen sich jetzt um die Entsorgung kĂŒmmern. Diese ist mit der Form der MĂŒllverbrennung glĂŒcklicherweise weit weniger kostspielig als die Beschaffung. Bleibt zu hoffen, dass aus der Erfahrung mit der ausgebliebenen Schweinegrippe-Pandemie bei der nĂ€chsten Pandemie die Situation nicht unterschĂ€tzt wird und Maßnahmen nicht oder zu spĂ€t getroffen werden.

Verfallsdatum fĂŒr Schweinegrippe-Impfstoff steht an

FĂŒr den Schweinegrippe-Impfstoff, den Unternehmen sowie Bund, LĂ€nder und Gemeinden im Rahmen der Schweinegrippe-Pandemie 2009/2010 beschafft haben rĂŒckt das Verfallsdatum jetzt nĂ€her. Im September und Oktober steht fĂŒr viele der Impfdosen “Pandemrix” der Verfallstermin an. Bundesweit sind ca. 30 Millionen Impfdosen ĂŒbrig geblieben. Auch viele Unternehmen haben sich einen eigenen Vorrat angelegt. Der Impfstoff muss vernichtet werden, da die Impfung gegen H1N1 mittlerweile in der normalen Grippeschutzimpfung mit enthalten ist. Der Verlust bei den LĂ€ndern fĂŒr den jetzt zu vernichtenden Impfstoff geht in die Millionen.

Scharfe Kritik des Gesundheitsausschusses der EU am Umgang mit der Schweinegrippe

Die Schweinegrippe A(H1N1) hat nach Angaben des Gesundheitsausschusses der EU in der Grippesaison 2009/2010 2.900 Menschenleben in Europa gefordert (Stand April 2010). Der Ausschuss kritisierte die unangemessene (“disproportionate”)  Reaktion der EU-MitgliedslĂ€nder auf den Ausbruch der Schweinegrippe vor zwei Jahren.  Den 2.900 Toten stehen 40.000 Tote im Verlauf einer normalen Influenza-Saison gegenĂŒber. Kritik ĂŒbte der Ausschuss auch an der Pandemie-Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die MitgliedslĂ€nder der EU sollten sich bei einer Pandemie besser untereinander abstimmen, zum Beispiel beim Einkauf von Medikamenten.

Hessischer Sozialminister ruft zu Grippeimpfungen auf

Die Grippesaison hat begonnen und es kommt bundesweit vermehrt zu Erkrankungen und auch zu ersten TodesfĂ€llen. In Hessen sind mittlerweile zwei Menschen am A(H1N1)-Virus gestorben. Es handelt sich hierbei um zwei Patienten mit chronischen Vorerkrankungen. Ein hoher Anteil der 98 Influenza-Erkrankungen in Hessen seit Jahresbeginn sind H1N1-FĂ€lle. Der hessische Sozialminister Stefan GrĂŒttner ruft daher in einer Pressemitteilung alle Personen mit einem besonderen Erkrankungsrisiko auf, sich noch gegen die Influenza impfen zu lassen und bei Symptomen sofort zum Arzt zu gehen. Bei der saisonalen Influenza schwankt nach Angaben des RKI die Zahl der TodesfĂ€lle zwischen null und 100 bei schwachem Verlauf und bis zu 15.500 TodesfĂ€llen bei starken Grippewellen.

LĂ€nder bleiben auf den Kosten fĂŒr den H1N1-Impfstoff sitzen

Auf rund 30 Millionen Dosen Impfstoff gegen den A-(H1N1)v-2009-Virus sind die LĂ€nder sitzengeblieben, nachdem die “Schweinegrippe” weit glimflicher als befĂŒrchtet verlaufen ist. Die STIKO hatte kĂŒrzlich 253 TodesfĂ€lle auf Grund der Infektion mit dem Virus gemeldet, darunter ein Großteil mit chronischen Erkrankungen oder Schwangerschaft. FĂŒr die anstehende Influenza-Saison gibt es neue Impfstoffe auf Basis der Impfempfehlungen der WHO. Doch wer trĂ€gt jetzt die Kosten fĂŒr den ĂŒbrig gebliebenen Impfstoff im Wert mehrerer Millionen Euro? Der Bund hatte die LĂ€nder zu Vorsorgemaßnahmen fĂŒr den Schutz der BĂŒrger gedrĂ€ngt. Da es sich um eine nationale Bedrohung gehandelt hat, erwarteten die LĂ€nder eine Beteiligung des Bundes bei den Kosten fĂŒr dne Impfstoff. Diese Erwartung wurde heute enttĂ€uscht. Die Bundesregierung wird sich nicht an den Kosten beteiligen, da die ZustĂ€ndigkeit bei den LĂ€ndern lag.

In einer vergleichbaren Siuation in der Zukunft wird es auf Grund der wĂ€hrend dieser H1N1-Pandemie gemachten Erfahrungen weit mehr ZurĂŒckhaltung bei den Maßnahmen geben. Die Gefahr besteht, dass das Pendel dann genau in die verkehrte Richtung ausschlĂ€gt und die von den Experten erwartete schwere Pandemie zu spĂ€t ernst genommen wird. Dies richtig einzuschĂ€tzen wird zu einer großen Herausforderung werden. Zudem dĂŒrfte die Motivation fĂŒr eine Impfung in der Bevölkerung noch weiter abgenommen haben.

WHO beendet die H1N1-Pandemie

“The world is no longer in phase 6 of influenza pandemic alert. H1N1 is in postpandemic period”, so die Entscheidung der WHO nach einer Telefonkonferenz der Experten heute.

Die WHO gibt auf ihrer Webseite Empfehlungen fĂŒr die aktuelle post-pandemische Phase. Im Juni 2009 hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Pandemiestufe “6” ausgerufen. Die StĂ€ndige Impfkommission STIKO am Robert Koch-Institut hat die Impf-Empfehlungen gegen Influenza am 06.07.2010 bereits angepasst (bcm-news berichtete).

BegrĂŒndung der STIKO zur geĂ€nderten Empfehlung zur Impfung gegen Influenza

Die StĂ€ndige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch Institut hat im Epidemiologischen Bulletin Nr. 31 vom 9. August 2010 eine ausfĂŒhrliche BegrĂŒndung fĂŒr die Änderungen der Impfempfehlungen abgegeben.

Auch die Bezeichnung des Virus wurde den Konventionen angepasst. Die im Volksmund irrtĂŒmlicherweise als “Schweinegrippe” benannte Form der Influenza heisst jetzt offiziell “Influenza A (H1N1) 2009”. Analog wird der Virustyp als “Influenza-A-Virus (H1N1)v-2009” bezeichnet.

Auch offizielle Fallzahlen werden im Bulletin veröffentlicht: Bis zum 20. April 2010 wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI) insgesamt 226.137 laborbestĂ€tigte Infektionen mit dem A-(H1N1)v-2009-Virus gemeldet, darunter 253 TodesfĂ€lle. Von 237 Verstorbenen mit auswertbaren Angaben hatten 203 (86%) einen Risikofaktor, d.h. Vorliegen eines chronischen Grundleidens oder einer Schwangerschaft. Das RKI geht jedoch von einer weit grĂ¶ĂŸeren Zahl an infizierten Menschen aus, weil bei mild verlaufender Krankheit kein Arzt aufgesucht wurde oder keine spezifische Diagnostik durchgefĂŒhrt wurde. Nach Modellrechnungen wĂŒrden im FrĂŒhjahr 2010 26-44 % der Bevölkerung ĂŒber schĂŒtzende Antkörper gegen das A-(H1N1)v-2009-Virus verfĂŒgen. Es wird erwartet, dass das Virus auch in der kommenden Saison 2010/2011 weiter zirkulieren und wahrscheinlich auch dominieren wird. Auf Empfehlung der WHO enthĂ€lt der trivalente saisonale Impfstoff fĂŒr 2010 daher das A-(H1N1)v-2009-Virus in Kombination mit einem A-(H3N2)- und einem Influenza-B-Virus.

AusfĂŒhrlich wird die Ausweitung der Impfempfehlung auf Schwangere begrĂŒndet. “Alle Frauen, die wĂ€hrend der Influenzasaison schwanger sind, sollten eine Impfung gegen saisonale Influenza erhalten”.

Diskutiert wird auch der Einsatz von WirkverstĂ€rkern (Adjuvanz) in den Impfstoffen. “Es fehlen bislang eindeutige Belege, dass adjuvantierte Impfstoffe auch zu einem besseren schutz vor klinischer Erkrankung (EffektivitĂ€t) fĂŒhren”, so das Bulletin. Die STIKO hĂ€lt daher die Weiterentwicklung der Impfstoffe fĂŒr notwendig. In Deutschland sind mit Stand April 2010 21 trivalente Impfstoffe gegen die saisonale Influenza zugelassen.