Banken in Ägypten öffnen nach einer Woche wieder [Update]

Am Sonntag vormittag um 10:00 Uhr öffnen die Banken in Ägypten wieder. Eine Woche waren sie geschlossen und die Versorgung mit Bargeld wurde zu einem großen alltäglichen Problem. Die Börse in Kairo dementierte hingegen Aussagen über eine Wiedereröffnung am Montag. Der Börsenhandel wird erst später wieder zu einem normalen Betrieb zurückkehren.

Die Aufrechterhaltung des Zahlungsverkehrs ist einer der Gründe, warum Banken in Deutschland Teil der kritischen Infrastruktur KRITIS sind. In einer Katastrophensituation  hat die Verfügbarkeit von Bargeld als Zahlungsmittel eine besonders große Bedeutung. Insbesondere wenn Stromausfälle Bargeldautomaten, elektronische Kassen und Kartenterminals ausser Kraft setzen.

[Update]

Die Wiedereröffnung der Banken hat zu einem großen Ansturm mit langen Warteschlangen geführt. Auch der Devisenhandel wurde wieder aufgenommen. Am heutigen Sonntag beginnt die Arbeitswoche in Ägypten.

Kabeldiebstahl legt teuerstes Fußballstadion Südafrikas lahm

Das Soccer-City-Stadion in Soweto wurde durch Kabeldiebe lahmgelegt. Der Diebstahl von Stromkabel, in Südafrika verbreitet, hatte zu einem Kurzschluß geführt. Das Spitzenspiel der südafrikanischen Liga am Samstag musste daraufhin abgesagt werden. Der Diebstahl von Kupferkabel ist in den ärmeren Ländern weit verbreitet. Energie-, Bahn- und Telekommunikationsunternehmen mit wertvollen Kupferkabel gehören regelmäßig zu den Opfern der dreisten Diebe, die häufig beim Diebstahl ihr Leben durch Stromschlag riskieren. Die steigenden Preise für die Rohstoffe machen den Diebstahl attraktiv. Auch in Deutschland sind Kabeldiebe kein unbekanntes Phänomen, wie dieses Beispiel zeigt.

Bild: M. Hämmerle

Scharfe Kritik am Krisenmanagement der deutschen Botschaft in Kairo

In einer Krise, wie sie Ägypten derzeit erlebt, sind die Botschaften vor Ort für die Deutschen im Ausland ein zentraler Anlaufpunkt. Aktuelle Informationen, Unterstützung bei der Ausreise, medizinische Hilfe in Notfällen sind wichtige Hilfeleistungen in einer solchen Situation. Während in den Medien gemeldet wird, dass die deutsche Botschaft in Kairo sichere Konvois an den Flughafen organisieren würde, wird von Deutschen in Kairo massive Kritik an der Arbeit der Botschaft geübt. Sie sei nicht erreichbar gewesen und würde auch bei der Ausreise nicht unterstützen, so die Aussagen.   Wer sich für seine Mitarbeiter im Ausland nicht auf die Arbeit von Botschaften und Behörden verlassen möchte, kann auch selber Vorsorge treffen. Ein Unternehmen, dass medizinische Hilfeleistungen, aber auch Evakuierungen aus Krisengebieten anbietet ist International SOS in Neu-Isenburg, deren Arbeit heute in der FAZ vorgestellt wird. Auch die spezialisierten Anbieter Result Group und Control Risks unterstützen die Unternehmen an den Auslandsstandorten bei der Rückführung der Mitarbeiter.

Siemens-Technopark Nürnberg nach Fund einer Fliegerbombe evakuiert

Der Arbeitstag für 2.ooo Mitarbeiter im Nürnberger Technopark endete abrupt und früher als geplant. Bei Baggerarbeiten wurde eine 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe gefunden. Der südliche Teil des Parks wurde daraufhin sofort von der Feuerwehr geräumt. Auch 1.400 Anwohner mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen und wurden von einem Shuttle-Service der Nürnberger Verkehrsgesellschaft in Notunterkünfte gebracht. Um 01:00 Uhr Nachts hatte der Spuk ein Ende: die Fliegerbombe konnte entschärft werden.

Bei dem Einsatz waren 360 Helfer von Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk im Einsatz. Auch Notfallseelsorger standen zur Verfügung.

Dieses Beispiel zeigt wieder einmal deutlich die Gefährdung durch Funde alter Fliegerbomben für den Geschäftsbetrieb. Bei Baustellen auf und um das Firmengelände ist daher erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsorge angesagt. Bei Großbaustellen wie Stuttgart 21 werden vor den Baumaßnahmen Luftbilder ausgewertet, um mögliche Blindgänger zu orten. Entschärfungen können dann auf das Wochenende gelegt werden. Bei kleineren Baustellen ist dies nicht der Fall und solche Überraschungsfunde nie ausgeschlossen.

Quelle: sueddeutsche

Bundesinnenminister de Maizière zur aktuellen Gefährdungslage: "Polizeipräsenz wird zurückgeführt"

In den vergangenen Wochen waren öffentliche Pätze, Bahnhöfe und Flughäfen geprägt durch die Präsenz schwer bewaffneter Sicherheitskräfte. Nach einer aktuellen Einschätzung der Sicherheitslage durch Bundesinnenminister de Maizière wird sich dieses Bild jetzt wieder normalisieren. Die starke Polizeipräsenz wird zurückgefahren, auch wenn "kein Anlass zur Entwarnung besteht". 

Bundesinnenminister de Maizière zur aktuellen Sicherheitslage am 01.02.2011:

"Meine Damen und Herren,

am 17. November des vergangenen Jahres hatte ich bundesweit außenwirksame Schutzmaßnahmen angeordnet und öffentlich vor möglicherweise bevorstehenden terroristischen Anschlagsszenarien gewarnt. Mit meinen Länderkollegen war und bin ich mir darin einig. Heute wende ich mich erneut an die deutsche Öffentlichkeit, weil wir es verantworten können, die öffentlich wahrnehmbare polizeiliche Präsenz zurückzufahren, wenngleich kein Anlass zur Entwarnung besteht."

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Nissan legt ägyptisches Werk still, VW unterbricht Lieferungen nach Ägypten [Update]

Nissan hat auf die Unruhen in Ägypten reagiert und die Produktion von Fahrzeugen im Produktionswerk Giza seit Sonntag unterbrochen. Nach Medienberichten soll die Anlage zunächst für eine Woche stillgelegt werden. In der Fabrik werden Pickups, wie der in Afrika beliebte 4-Wheeler X-Trail, produziert. 

Zahlreiche Unternehmen holen derzeit ihre Mitarbeiter mit gecharterten Sondermaschinen zurück. Auch deutsche Lehrer und Ausbilder befinden sich auf dem Weg nach Deutschland, nachdem die Sicherheitslage in Kairo bedenklich wurde. Internationale Schulen wurden geschlossen. Touristen dürfen die Schiffe von Nilkreuzfahrten nicht verlassen. Offensichtlich gibt es auch erste Engpässe bei der Lebensmittelversorgung in den Touristenstädten. Die Bürger wehren sich mit privaten Milizen gegen Plünderungen und Gewalttaten und versuchen die historische Stätten und Museen zu schützen.

[Update 1]

Nicht nur die Produktion in Ägypten und die Lieferungen aus dem Land sind derzeit beeinträchtigt oder unterbrochen, sondern auch die Lieferungen ins Land. VW hat nach Tunesien jetzt auch für Ägypten einen Lieferstopp aus logistischen Gründen verhängt. VW kann nicht kontrollieren, was mit den Fahrzeugen nach ihrer Ankunft im Land passiert.

[Update 2]

Einen Überblick über die aktuelle Situation deutscher Unternehmen in Ägypten gibt dieser Überblick in der ftd.

Offshoring Risiken am Beispiel Ägypten

Die aktuelle Entwicklung in Ägypten hält uns in Atem. Ein Regime zwingt die Internet-Provider das Land vom internationalen Datenstrom abzuklemmen, Handy- und Blackberry-Netze werden unterbrochen und Medien die Übertragung aktueller Informationen untersagt.

Noch im Dezember 2010 schaffte es Ägypten unter die internationalen TOP 30-Länder für IT-Offshoring von Gartner. Innerhalb kürzester Zeit kann sich die politische und damit auch ökonomische Situation in vielen Ländern ändern. IT-Offshoring-Vorhaben laufen aber naturgemäß über viele Jahre, um rentabel zu sein. Ob Ägypten diese Voraussetzungen in den kommenden Jahren noch bieten kann, werden erst die kommenden Wochen und Monaten zeigen. Offshoring kann ökomisch attraktiv sein, bringt jedoch auch neue Risiken mit sich, wie das Beispiel Ägypten aktuell wieder zeigt. Risiken, die überwacht und gesteuert werden müssen und dafür oftmals ganz neue Expertisen im Risikomanagement und Business Continuity Management erfordern.

Lesezeichen: Kritis in der c´t Nr. 4 vom 31.01.2011

Das Computermagazin c´t berichtet in der aktuellen Ausgabe über den Schutz kritischer Infrastrukturen (KRITIS) in Deutschland. Kritisch betrachet wird in diesem Artikel von Christiane Schulzki-Haddouti die international unterschiedliche Einschätzung der Kritikalität der Branchen. Während die USA laut Wikileaks die Chemie- und Pharmabranche als sehr kritisch eingeschätzen, liegt in Deutschland bei KRITIS der Fokus eher auf den Branchen Energie, IT, Telekommunikation und Finanzdienstleistung. Insbesondere weist KRITIS mit dem "Nationalen Plan zum Schutz der Informationsinfrastrukturen" eine starke IT-Lastigkeit auf. Die Autorin legt den Finger in die richtige Wunde, indem sie die Vielfältigkeit der Zuständigkeiten in Deutschland reklamiert. Dies stellt auch aus meiner Sicht die größte Herausforderung für die Umsetzung von KRITIS in Deutschland oder gar in Europa dar. Es ist noch ein langer Weg vor uns. Hoffentlich lässt uns auch die Realität so viel Zeit für die Umsetzung.