Task Force "Aschewolke" legt Handlungsempfehlungen vor

Die Flugausfälle nach dem Vulkanausbruch auf Island im April vergangenen Jahres haben tiefe Spuren in den Bilanzen der Fluggesellschaften hinterlassen und die Zerbrechlichkeit der internationalen Supply Chains aufgezeigt. Heftiger - über die Medien ausgetragener - Streit ist zwischen den staatlichen Stellen und den Fluggesellschaften über das Vorhandensein und die Wirkung der Aschewolke ausgebrochen. Das Fehlen von eindeutigen Zuständigkeiten, Regel- und Grenzwerten für diese Situationen wurde offensichtlich. Erst im "Tiefflug" konnten die Airlines ihre Maschinen wieder in die Luft bringen. Umso erstaunlicher, als durch Vulkanausbrüche ausgelöste Aschewolken in der Luft international kein unbekanntes Phänomen sind. Lediglich Europa war bislang verschont geblieben.

Vor diesem Hintergrund hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) die Task Force "Aschewolke" gegründet. Sie hat nun einen Katalog von Handlungsempfehlungen für künftige Notfallsituationen vorgelegt.

Zu den Maßnahmenempfehlungen zählt die Festlegung einheitlicher Grenzwerte, die Regelung der Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten im europäischen Luftraum sowie die engere Verzahnung unterschiedlicher Verkehrsträger. Die unterschiedlichen Stellen sind jetzt gefordert, diesen Strauß an Maßnahmen umzusetzen. Mit einem weiteren Ausbruch auf Island oder Stromboli ist jederzeit zu rechnen.

Lesezeichen: Das Überraschende erwarten (Zeit Online - Wissen)

Ich möchte allen Notfall- und Krisenmanagern diesen Artikel aus Zeit Online Wissen über die Grenzen der Planbarkeit von Notfällen und Katastrophen von Ulrich Schnabel ans Herz legen. Aus meiner Sicht trifft dieser Artikel den Punkt, was die Grenzen der Notfallplanung und die Anforderungen an ein Krisen- und Katastrophenmanagement angeht. Ich teile den Pessimismus des Autors über die Prepardness in Deutschland vollkommen.

Update:

Ulrich Schnabel hat mir den Link zu einer weiteren Veröffentlichung von ihm zu Thema Risikowahrnehmung zur Verfügung gestellt. Auch sehr interessant!

Alternative Mobilfunkbasierte Kommunikationstechnologien für Katastrophen

Die Verfügbarkeit von Kommunikation ist in einem Notfall essentiell für ein Krisenmanagement. Doch gerade die Kommunikationstechnologien selbst können durch das Ereignis nicht mehr zur Verfügung stehen. Als Backup-Lösung für die Festnetztelefonie wird oftmals Mobilfunk angesehen. Doch gerade Mobilfunk ist bei Großschadenslagen besonders anfällig. Weiterlesen…

Katastrophenwarnsystem KATWARN versagt im Test

Großflächig wurden in Deutschland die Sirenen auf den Dächern abgeschafft. Dies ist einerseits der "Friedensdividende" geschuldet. Die Kriegszeiten sind Geschichte und Katastrophen sind selten und werden schnell wieder verdrängt. Auf der anderen Seite erscheinen die Sirenen in Zeiten der modernen Kommunikationstechnologien vielleicht anachronistisch. Funktioniert haben sie trotzdem - solange sie noch auf den Dächern standen. Mit dem System KATWARN der Fraunhofer Gesellschaft ISST sollen in Frankfurt am Main und Ostfriesland die Bewohner über verschiedene Warnkanäle wie SMS, E-Mail oder Fax gewarnt werden. Bei einer Großübung in Emdenversagte jedoch das System kläglich. Alle drei Versuche, die Warnung an die Bewohner loszuwerden schlugen fehl. "Menschliches Versagen" gab  das Fraunhofer Institut als Ursache an. Doch auch wenn KATWARN funktioniert hätte, wären nur 400 Menschen vor der Katastrophe gewarnt worden. Denn nur 400 von 25.000 Handys im Stadtgebiet sind für den Dienst registriert. Die Menschen fühlen sich zu sicher, so der Stadtbrandmeister zu der geringen Teilnahme an diesem lebenswichtigen Service. Also Fehler im System, gepaart mit menschlichem Unverständnis. Die "Friedensdividende" lässt grüßen. Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass in Frankfurt ein nennenswerter Anteil der Bevölkerung an dieses Warnsystem angeschlossen ist. Auch in den USA gibt es Bestrebungen ein elektronisches Warnsystem zu etablieren.

Chef von Tepco ins Krankenhaus eingeliefert

Der Präsident der Tokyo Electric Power CO. Masataka Shimizu wurde am Dienstag ins Krankenhaus eingeliefert. Ursache ist laut Angaben des Unternehmens Erschöpfung und Stress. Dies berichtet TEPCO am Dienstag. TEPCO ist der Betreiber der havarierten AKW in Fukushima (Japan).

Bereits zuvor war der Chef des Energieunternehmens vor der Presse und Öffentlichkeit weitgehend "abgetaucht". TEPCO sieht sich massiver Kritik hinsichtlich seiner Informationspolitik in der Nuklearkatastrophe ausgesetzt. Das Unternehmen wurde von der Regierung mehrfach massiv öffentlich kritisiert. Ein ausserordentliches Verhalten, das nicht der üblichen japanischen Kultur entspricht.

Statement der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA zur eigenen Rolle

Die International Atomic Energy Agency IAEA wird im Zusammenhang mit dem Nuklearunfall in Japan von der Presse häufig als "Nuclear Safety Watchdog" bezeichnet. Die IAEA ist in einem Statement des IAEA Director General Yukiya Amano dieser Rollenzuordnung entgegengetreten und hat hierzu die eigene Rolle beschrieben: Weiterlesen…

Japan: Rapid Damage Assessment des Asian Disaster Reduction Center

Das Asian Disaster Reduction Center (ADRC) hat ein Papid Damage Assessment der Folgen des Erdbebens vom 11. März 2011 durchgeführt. Der Bericht des ADRC (pdf, 6MB) zeigt mit beeindruckenden Bildern die katastrophalen Folgen des Erdbebens und Tsunamis sowie die Grenzen der vorhandenen Vorsorgemaßnahmen. Der Bericht zeigt aber auch die schnelle Reaktion des Katastrophenmanagements nach dem Eintritt des Ereignisses. Um 14:46 Ortszeit ereignete sich das Erdbeben, um 14:49 gab es Tsunami-Alarm und um 14:50 fand das erste emegency response team meeting statt. Über 26.000 Menschen konnten gerettet werden. Ein Großteil durch Self Defense Forces. Ohne diese sehr gute Vorbereitung in Japan hätte diese Katastrophe noch weit schlimmere Auswirkungen gehabt.

Telefonie und Mobilfunk in einer Katastrophensituation

Neben der medizinischen Versorgung, Lebensmittel und Strom/Energie und Wasser  ist die Kommunikation ein wesentlicher Baustein, um die Folgen einer Katastrophe zu managen. Die multipe Katastrophe in Japan zeigt die Verwundbarkeit dieser kritischen Infrastrukturen selbst in hochentwickelten Ländern. Auch mehrere Tage nach der Katastrophe gibt es in Japan noch massive Einschränkungen bei Festnetz und Mobilfunk. Die Bevölkerung weicht auf SMS und soziale Medien wie Twitter und Facebook aus. Für Unternehmen, die auf eine gesicherte und vertrauliche Kommunikation angewiesen sind, kommen diese Kommunikationswege allerdings nur sehr eingeschränkt in Betracht. Auch auf den Mobilfunk als Rückfalllösung für den Ausfall des Festnetzes zu setzen ist gefährlich. Denn zum einen werden die Mobilfunknetze bei einem Festnetzausfall bis an oder gar über ihre Kapazitätsgrenzen belastet. Zum anderen können Ereignisse wie Stromausfälle zum gleichzeitigen Ausfall von Festnetz und Mobilfunk führen, da auch die Mobilfunkinfrstruktur von einer funktionierenden Stromversorgung abhängig ist.

Was bleibt dann noch an Kommunikationswegen? Soweit das Internet noch funktioniert, können Telefon- und Webkonferenzen über Internetverbindungen hergestellt werden. Voraussetzung hierfür ist, dass diese Dienste eingerichtet sind und vor allem der Umgang damit eingeübt ist. Gerade für Ungeübte sind Telefon- und Webkonferenzen zunächst schwierig. Das geht schon mit der erfolgreichen Einwahl und Quittierung, sowie das Vorhandensein der Passworte los. Eine weitere Alternative sind Satellitentelefone. In Japan stellt ein Anbieter derzeit kostenlos diesen Kommunikationsservice in den besonders stark betroffenen Gebieten zur Verfügung. Für Einsatzkräfte vor Ort sind Funkgeräte das Mittel der Wahl. Der Zusammenbruch des Mobilfunks bei der Loveparade-Tragödie in Duisburg und der damit verbundene Kommunikationsverlust bei Polizei und Ordnungskräften scheint  maßgeblich mit zu dieser Katastrophe beigetragen zu haben.

Welche Alternativen haben Sie für den Ausfall der Kommunikationssysteme vorgesehen?

SAP und Infineon evakuieren Mitarbeiter aus Tokio

In Tokio ging das Geschäftsleben bislang weitgehend normal weiter. Die AKW und das vom Tsunami betroffene Gebiet liegen 150 Kilometer nördlich von Tokio. Mit der Eskalation der Lage in den AKWs und dem Austritt radioaktiver Strahlungen, die wegen der gedrehten Windrichtung jetzt auch Tokio erreicht, ändert sich aber die Lage in Tokio. Familien bringen ihre Frauen und Kinder mit dem Schnellzug in den Süden des Landes und auch erste große Unternehmen evakuieren ihre Mitarbeiter aus Tokio. Hierzu zählen nach einem Bericht der FR auch die Unternehmen SAP und Infineon.

Wer soll die Entscheidungen in einer Krise treffen?

Die Fragestellung wie Entscheidungen über und in einer Krise getroffen werden ist ein Dauerthema im BCM und Krisenmanagement. Es gibt die unterschiedlichsten Sichtweisen darauf. Soll es einen Entscheider geben, der auf Basis der Beratungen der Mitglieder des Krisenstabs die Entscheidungen über das Vorliegen einer Krise und die Maßnahmen trifft? Oder sollen die Entscheidungen als Gruppe getroffen werden, gegebenenfalls mit einem Abstimmprozess? Für beide Entscheidungsmodelle gibt es gute Argumente. Das Modell des alleinigen Entscheiders bietet die Voraussetzungen für schnell Entscheidungsfindungen, abhängig von der Person des Entscheiders. Es wird keine Zeit durch Debatten und Abstimmverfahren verloren. Auf der anderen Seite bürdet es dem Entscheider ein sehr hohes Maß an Verantwortung auf. Viele professionelle Krisenstäbe bei Polizei und Feuerwehren arbeiten nach diesem Prinzip.

Das Vorgehen, Entscheidungen in einer Gruppe, also zum Beispiel als abgestimmtes Ergebnis des Krisenstabs, zu treffen, ist stark konsensorientiert. Die Verantwortung wird auf mehrere Schultern gelegt. Nicht ein Einzelner kann bei Fehlentscheidungen als "Sündenbock" herhalten müssen. Auf der anderen Seite kosten Abstimmungen Zeit und das Verfahren muß in der Geschäftsordnung des Krisenstabs festgelegt und dokumentiert sein.

Dennis Hamilton FBCI vertritt in seiner sehr lesenswerten  Artikelserie in BCMNOW die These, dass das Entscheidungsverfahren professioneller Krisenmanagementorganisationen nicht auf normale Unternehmen und Organisationen übertragen werden sollte. Unter der Überschrift  ‘Can The Majority Be Wrong?’ empfiehlt er für Organisationen, die keine speziellen Krisenmanagementorganisationen sind (Bsp. BOS - Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben), die Entscheidungen als Gruppenentscheidungen auf Basis des Mehrheitsprinzips zu treffen.

Diese Meinung teilt bestimmt nicht jeder Leser. Hier daher eine kleine Umfrage zu dieser Fragestellung:


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