Eine echte Tragödie und mediale Katastrophe

Der Absturz der Germanwings-Maschine macht uns alle tief betroffen. Gerade als ehemaliger Pilot, der Verantwortung für das Wohlergehen für seine Passagiere getragen hat, bin ich selbst zutiefst von diesem Ereignis betroffen – das ich bis dato nicht für denkbar gehalten habe. Wir wissen aber auch, dass Ermittlungen nach Flugzeugunglücken Wochen, Monate oder gar Jahre dauern. Flugzeuge sind hoch komplexe Gebilde und was wirklich geschehen ist , kann erst final gesagt werden, wenn alle Puzzleteilchen zusammengetragen und ausgewertet sind.  Umso erschütterter bin ich über die Vorgehensweise von Staatsanwälten, Ermittlern und Medien. Offensichtlich berichten Ermittler direkt während der laufenden Untersuchungen an die Presse. Häuser und Wohnungen sind kaum untersucht, stehen die vermeintlichen Ergebnisse schon in bislang seriös aufgetretenen Nachrichtenportalen. So schnell, dass mittlerweile sogar schon spezielle Seiten für Korrekturen eingerichtet werden müssen. Zum Beispiel für die massenhafte Verbreitung eines falschen Bildes des Co-Piloten. Der flight recorder ist noch nicht geborgen und dennoch scheint der Hergang festzustehen, auch wenn viele Fragen noch offen sind. Auf dieser bislang sehr dünnen Faktenlage laufen ununterbrochen Sondersendungen, die keine richtigen Nachrichten vermitteln können und stattdessen Experten und Möchtegern-Experten vor die laufende Kamera zerren. Und was, wenn der Ablauf anders war?

Ich würde mir wünschen, dass die Untersuchungsbehörden ihre offensichtlich großen Informationslecks jetzt konsequent schließen, um sich auf ihre eigentliche Ermittlungsarbeit zu konzentrieren. Den seriösen Medien würde es gut anstehen, den Hype auf ein vernünftiges und angemessenes Maß der Berichterstattung zurückzufahren und nicht noch die Nichte oder den Onkel eines entfernten Verwandten vor die Kamera zu zerren. Bis wirklich Fakten auf dem Tisch liegen werden die BCM-News hierzu nicht berichten. Im Newsticker wird es weiterhin nur sehr ausgewählte Meldungen zu dem Ereignis geben. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer.

Richard Branson gibt nach Absturz des “SpaceShipTwo” nicht auf

Business Continuity Management ist auch der Willen, die Kraft und Ausdauer “einmal mehr aufzustehen als hinzufallen” (Winston Churchill).

Auch bei der Bewältigung eines Notfalls oder einer Krise gelingt nicht jede Entscheidung oder Maßnahme. Die Bilanz der erfolgreichen Entscheidungen gegenüber den Fehlentscheidungen macht am Ende Erfolg oder Misserfolg einer Notfall- und Krisenbewältigung aus. Nach einem Misserfolg aufzugeben, nimmt die Chance die Bilanz wieder ins Positive zu drehen. Dann ist der Misserfolg nur noch eine wichtige Erfahrung auf dem Weg.

7:1 im Krisenmanagement

Die deutsche Mannschaft hat bei der Weltmeisterschaft Brasilien mit 7:1 in einem herausragenden Spiel besiegt. Wie kann ein solcher Erfolg auch im Krisenmanagement gelingen?

  • Tor 1: Mitspieler mit herausragenden Fähigkeiten und einer hohen Motivation im Krisenstab
  • Tor 2: unbedingtes Teamplay im Krisenstab
  • Tor 3: ein Trainer, der die Führung und den Überblick behält
  • Tor 4: eine gut vorbereitete Taktik und vorbereitete Pläne
  • Tor 5: die Fähigkeit, Taktik und Pläne an die jeweiligen Erfordernisse anzupassen
  • Tor 6: ein Publikum (interested parties 😉 ), das das Team anfeuert und motiviert
  • Tor 7: Spaß an der Arbeit und das gemeinsame Feiern von Erfolgen
  • Gegentore: die Fähigkeit, Gegentore einzustecken, wieder aufzustehen und weiterzumachen, engagierter als zuvor.

Gelingt es, dieses Erfolgsrezept auf die Krisenstabsarbeit zu übertragen, lassen sich auch schwere Krisen meistern.

Dabei gilt: ein Tor wird nach dem anderen gemacht – nie gleichzeitig.

Das Spiel dauert im realen Leben selten nur 90 Minuten. Verlängerungen um ein Vielfaches sind die Regel. Daher Auswechslungen berücksichtigen!

Medien und Öffentlichkeit schießen immer die Elfmeter und Vorsicht vor “Schwalben”!

Und immer fair bleiben, sonst gibt es eine Karte (im wirklichen Leben etwas häufiger als bei der WM 2014)!

So werden Krisen bewältigt und Weltmeistertitel gewonnen!

Neue BBK-Publikation: Stromausfall – Grundlagen und Methoden zur Reduzierung des Ausfallrisikos der Stromversorgung

Die Ergebnisse eines Forschungsprojektes zum Thema Stromausfall sind nun in Band 12 der Reihe Wissenschaftsforum veröffentlicht worden (BBK:
Stromausfall – Grundlagen und Methoden zur Reduzierung des Ausfallrisikos der Stromversorgung).

Wie diese Folgen aussehen können, wurde im 2010 erschienenen Bericht „Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften – am Beispiel eines
großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung“ des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag für verschiedene Lebensbereiche systematisch beschrieben. Das Fazit macht deutlich: „[B] ereitsnach wenigen Tagen [ist] im betroffenen Gebiet die flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit (lebens)notwendigen Gütern und Dienstleistungen nicht mehr sicherzustellen“.

Marc Elsberg hat in seinem Roman “Blackout” das Szenario eines großräumigen Stromausfalls gut recherchiert und anschaulich beschrieben.

In der Veröffentlichung werden die Rahmenbedingungen des deutschen Stromversorgungssystems erläutert. Es werden Vorschläge für die einzelnen Schritte des Risikomanagements in Bezug auf Stromversorgungsinfrastrukturen gemacht, also zur Szenarienbildung, Kritikalitätsanalyse, Verwundbarkeitsanalyse, Risikobewertung sowie zur Risiko- und Krisenkommunikation.

(Quelle: BBK)

80 Krisen- und Notfallmanager begaben sich beim 6. Netzwerktreffen der SIMEDIA auf eine “Weltreise”!

Am 24. / 25. März trafen sich 80 Krisen- und Notfallmanager namhafter Unternehmen zum jährlichen Netzwerktreffen der SIMEDIA GmbH.
Das
Phantasialand in Brühl präsentierte sich bei strahlendem Sonnenschein als perfekter Gastgeber.
Die Teilnehmer begaben sich auf eine
besondere Weltreise: zunächst wartete das Themenhotel Ling-Bao mit einem Mittagsbuffet in authentischer fernöstlicher Atmosphäre auf.
Ein Rückblick auf Krisenereignisse des letzten Jahres eröffnete den inhaltlichen Teil:
Erlebnisberichte, Internationales Krisenmanagement, Blackout, Social Media zur Lagebeurteilung, Georisiken, Übungsplanung standen u.a. im Mittelpunkt der Vorträge.
Der Abend diente dem Netzwerken: Bei einer exklusiven Fahrt mit der „Black Mamba“ erfuhren die Teilnehmer, wie sich eine Wirkkraft von 4,5 G anfühlt. Der neue Themenpark „Mexiko“ lud mit Tapas und anderen Köstlichkeiten zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch ein.
Am Ende stand bei allen Teilnehmern ein
eindeutiges Feedback: Das Netzwerktreffen war wieder einmal ein voller Erfolg.
Themen, Veranstaltungsort und Organisation waren erstklassig – ein Wiedersehen im nächsten Jahr ist schon fest eingeplant.


Weitere Informationen, Fotos, Videos und Teilnehmerstimmen finden Sie unter
www.netzwerktreffen-krisenmanager.de.
(Quelle: Simedia)

A-N-C: Aviate – Navigate – Communicate

Bei der Suche nach der vermissten Maschinen MH370 wird auch immer wieder die Pilotenregel für Notfälle “A-N-C” zitiert. In fliegerischen Notfällen legt diese Regel die absolute Priorität für die Handlungen fest. Zuerst kümmert sich der Pilot darum, dass der Vogel weiter fliegt, dann kümmert er sich um die Navigation und erst dann um die Kommunikation mit dem Boden und der Besatzung sowie den Passagieren.

Diese Regel lässt sich sehr schön für das Krisenmanagement verallgemeinern:

  • Aviate: die Geschäftsprozesse am Laufen halten
  • Navigate: mit Hilfe von Krisenmanagement vor die Lage kommen.
    Hierbei hilft die andere Fliegerregel für Notfälle “FOR-DEC”:
    F – acts
    O- ptions
    R- isks
    D – ecision
    E- execution
    C -ontrol
    Der Führungszyklus für das Krisenmanagement.
  • Communicate: interne und externe Kommunikation durchführen.

Die streikbedingten Ausfälle am Frankfurter Flughafen aus BCM-Brille betrachtet

Am Freitag den 21. Februar traten die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes am Frankfurter Flughafen in einen 21-stündigen Warnstreik und haben damit den drittgrößten Flughafen in Europa beinahe lahmgelegt. Rund 1.500 Mitarbeiter waren an diesem verkehrsreichsten Tag der Woche für die Sicherheitsdienstleistungen eingeteilt. Rund 800 Mitarbeiter sollen sich an dem Warnstreik beteiligt haben. 800 Mitarbeiter waren in der Lage einen der weltweit größten Flughäfen beinahe lahmzulegen? Weiterlesen…

Praxisforum Krisenstabsarbeit in Bamberg

Am 3./4. April 2014 findet in Bamberg erstmals das „Praxisforum Krisenstabsarbeit“ statt. Unter dem Motto „Experten im Dialog“ – schaffen Notfall- und Krisenmanager, Risiko- und Business Continuity Manager, die in komplexen Krisenlagen entscheiden, ein Forum, in dem Erfahrungen, praktische Lösungen und Probleme der Krisenstabsarbeit ausgetauscht und diskutiert werden. Ziel ist die Förderung des Austauschs zwischen Referenten und Teilnehmern aus ganz unterschiedlichen Arbeitsfeldern. Es wechseln sich Vorträge von Krisenstabsexperten im Plenum mit parallelen Themenvorträgen und Arbeitsgruppen ab.
Auf dem Programm stehen Beiträge von Klaus-Dieter Tietz (Polizeidirektor an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz des BBK), Florentin von Kaufmann (Leiter Integrierte Leitstelle, Branddirektion München), Patrick Drews (Regierungspräsidium Stuttgart), Andreas Rieger (Sachgebietsleiter Notfall-/Krisenmanagement, Flughafen Stuttgart GmbH), Christoph Naucke (naucke_kommunikation GmbH), Rainer Wenke (Leiter Werkfeuerwehr, Robert Bosch GmbH), Tobias Pundschuss (Leiter Unternehmenssicherheit und Terminaldienste, Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH) und Axel Allerkamp (Leiter Security Analyse und Test, Axel Springer SE).
Aktuelle Details zu Inhalten und Veranstaltungsort finden Sie unter http://www.activating-trainings.de oder praxisforum(at)activating-trainings.de
Anmeldeschluss ist der 28. Februar 2014
Veranstalter: Dr. Susanne Starke, Alexander Burgis, Andreas Queck
Praxisforum Krisenstabsarbeit_Logo

Dank Simulation – mit Vorteil in einem fiktiven Unternehmen in einer ganz fremden Branche – souverän (re)agieren im Ausnahmezustand

Was haben Holz, Notfall- und Krisenmanagement gemeinsam?

Sie stehen für die Premiere einer erfolgreichen Kooperation von Experten für Krisenstabstraining mit denen für softwaregestützte IT-Notfallplanung. Davon profitierten jetzt die Teilnehmer des gemeinsamen Krisenstabseminars.

Sitzungszimmer eines fiktiven Sägewerks: Krisenstimmung. In den kommenden Stunden wird es die Aufgabe der verantwortlichen Teilnehmer sein, die angeschlagene Firma so zu lenken, dass der Schaden möglichst gering gehalten werden kann: Nicht betroffene Unternehmensteile sollen trotz Ereignis einwandfrei produzieren und liefern können sowie die vom Ereignis nicht betroffenen Kunden möglichst wenig Beeinträchtigung erfahren. Außerdem muss die Produktion auch im vom Ereignis betroffenen Prozess bald wieder aufgenommen werden.

 Simulation schult adäquates Reagieren

Eine echte Herausforderung an die Teilnehmer, die beruflich alle nichts mit Holzverarbeitung zu tun haben.
Almut Eger, erfahrene Trainerin im Bereich des Notfall-, Krisen- und Business Continuity Managements und Spielleiterin, sieht exakt darin den größten Vorteil: „Am Beispiel des fiktiven Sägewerks üben die Verantwortlichen Abläufe und Führung, strukturierte Entscheidungsfindung und adäquates Reagieren in verschiedenen Krisenszenarios. Diese Simulation ist flexibel, man kann kundenspezifisch das Szenario auf gewisse Themen oder Abteilungen ausrichten. Hier ist ein nachvollziehbares Übungsumfeld mit einem bekannten Rohmaterial (nämlich Holz) gegeben, um ein herausforderndes und lehrreiches Training gestalten zu können. Es geht um die Methodik und das Funktionieren der Rollen an sich. Und es geht darum, die Personen im Ausfüllen ihrer Rollen zu stärken.“
Mehr noch: „Dank des Trainings in einer völlig fremden Umgebung – nämlich in einem Sägewerk – erhalten die Mitglieder des Einsatzteams die Möglichkeit, sich losgelöst von ihren üblichen Aufgaben vollständig in ihrer «methodischen Rolle» im Ereignismanagement zu bewegen. Aufgrund dieser Methodik können die Funktionsweise der Aufbau- und Ablauforganisation überprüft werden. Zudem erhält jeder Teilnehmer die Möglichkeit, seine eigenen Fähigkeiten zu testen und «fremde» Rollen auszuprobieren“, so die Expertin.

Führungfähigkeiten trainieren

Inzwischen haben die Teilnehmer ihren Part angenommen. „Es ist spannend, außerhalb der angestammten Rolle die Führungsfähigkeiten im Ereignismanagement zu trainieren. Hinzu kommt, dass alle hier sich hoch engagiert auf dem „dünnen Eis“ bewegen wollen“, sagt eine Seminarteilnehmerin begeistert. „Und dünn ist das Eis tatsächlich, denn Holz kann brennen, wegrollen, aufquellen, sogar schwimmen – es kann sich also in der Übung anders als erhofft verhalten.“

Zielgerichtete Unterstützung durch Notfall-Software

Doch die Teilnehmer trainieren nicht nur den Einsatz in einem Notfall- und Krisenstab und erhalten einen praxisnahen Einblick in die Stabsarbeit und nötigen Arbeitsschritte in einem Ereignis. Jörg Kretzschmar, Consultant, demonstriert anhand zahlreicher Beispiele und wertvoller Tipps, wie mittels des Einsatzes der speziell entwickelten Software  eine zielgerichtete Unterstützung via Notfallplänen und Verantwortlichkeiten aussehen kann. „Durch die strukturierte Aufnahme der Daten, aller Prozesse und Services eines Unternehmens erleichtert die damit zu erreichende Geschwindigkeit die Reaktion im Ernstfall.“

Deshalb sieht der Consultant in der Kooperation mit den Krisenstabstrainings-Experten eine ideale Win-Win-Situation für Kunden aus beiden Geschäftsfeldern: „Wir bauen diesen Schulungszweig 2014 aus und bieten insgesamt vier Krisenstabsschulungen an“, freut er sich auf die Zusammenarbeit.

 Aufgabe gemeistert: professioneller Umgang mit Unerwartetem

 Cornelius Herold, Trainer und u.a. Experte für Krisen- und Notfallmanagement, bringt das Ergebnis des Seminars auf den Punkt: „In dem technischen, berufsspezifischen Training mit der Softwarefür den Wiederanlauf nach einer Krise wendeten alle Teilnehmer die im Sägewerk erworbenen Kenntnisse in der Lageanalyse und der Einsatzführung dann auch in der angestammten fachlichen Rolle an. So konnten die Teilnehmer die Möglichkeiten effizienter Stabsarbeit zur Bewältigung einer dynamisch-komplexen Situation erkennen. Die Führungsarbeit und die effektive Zusammenarbeit des Krisenstabteams in heiklen Situationen konnte zielgerichtet trainiert werden. Die Teilnehmer sammelten Erfahrung in der Strukturierung und Durchführung von Stabsprozessen, unabhängig von fachlichen Aufgaben und Abläufen.“

Bewertung von Teilnehmern:

 „Es war eine Stunde lang Stress und Adrenalin pur.

Auch wenn wir das fiktive Unternehmen letztendlich „versenkt“ haben, war es für uns eine Übung, aus der wir extrem profitieren konnten. Wir haben sehr wichtige Erkenntnisse mitgenommen und ich freue mich auf die Anwendung. Das Seminar war den Tag Aufwand und seinen Preis wert. Uneingeschränkt empfehlenswert.“

  „Sehr gutes praxisbezogenes Seminar mit praktischen und wertvollen Inhalten.

Die ausgewogene Kombination von „theoretischer Einführung“ und „praktischer Übung“ waren interessant und kurzweilig. Auch die Möglichkeit, während des Trainings verschiedene Rollen auszuprobieren, war eine gute Erfahrung. Alles in allem kann ich sagen, dass der Tag nicht nur lehrreich war sondern es auch richtig Spaß gemacht hat.“

Die nächsten Seminare finden statt am 08.05.2014, 06.06.2014, 30.09.2014 und 27.11.2014

Die Termine für weitere Veranstaltungen dieses Krisenstabstrainings finden Sie im BCM-Kalender.
Dort finden Sie auch den Link zum Veranstalter und zur Buchung.

Weitere  Informationen erhalten Sie auf Anfrage gern per E-Mail oder Anruf an und bei den genannten Ansprechpartnern der CONTECHNET Ltd. | 4 Management 2 Security GmbH.

 

Ja, mach nur einen Plan …

“Ja, mach nur einen Plan, sei ein großes Licht. Und mach’ dann noch ‘nen zweiten Plan, gehen tun sie beide nicht.”, so Bertolt Brecht in der Dreigroschenoper.

An dieses Zitat musste ich unweigerlich nach meinem Besuch des BCI Regionalforum West denken, zu dem ich in der vergangenen Woche für einen kleinen Vortrag über “Test und Üben” eingeladen war. Eine tolle und gut organisierte Veranstaltung übrigens, Respekt!

In meinem Vortrag habe ich – natürlich etwas überzeichnet – die Bedeutung von Tests und Übungen für die Notfallvorsorge in den Mittelpunkt gestellt. In mehreren größeren zu bewältigenden “Ausnahmesituationen wie Blockupy in Frankfurt, Hurrican Sandy in New York, Norovirus Epidemie und Stromausfällen habe ich immer die gleiche Erfahrung gemacht: die Realität hält sich an keinen Plan!

Doch hieraus die Lehre zu ziehen, auf die Notfallplanung verzichten zu können  ist genauso falsch, wie die Hoffnung, eine umfangreiche und ausgetüftelte Notfallplanung könnte bei Eintritt eines Notfalls automatisiert abgearbeitet werden wie der Wiederanlaufplan eines IT-Systems.

Der größte Nutzen der Notfallplanung liegt aus meiner Sicht in der geistigen Auseinandersetzung mit möglichen Notfall-Szenarien und Handlungsstrategien zur Beherrschung dieser Situationen sowie zur Minderung der potentiellen Folgeschäden. Notfallplanungen bilden die Grundlage für Tests und Übungen, in denen die Funktionsfähigkeit der Notfallpläne überprüft werden und vor allem die Mitarbeiter in ihren Rollen für außergewöhnliche Situationen trainiert werden. Hierdurch wird die Grundlage geschaffen, um in Notfallsituationen handlungsfähig zu bleiben. Tritt der Notfall ein, kommt ein weiteres wichtiges Element zur Bewältigung hinzu: das Krisenmanagement. Im Rahmen des Krisenmanagements wird die Lage analysiert und die angemessenen Entscheidungen zur Bewältigung der Lage getroffen bzw. herbeigeführt. Pläne sollten die klassischen BCM-Szenarien Gebäude-, Personal-, IT- und Dienstleisterausfall abdecken. Sie können jedoch besondere Umstände in der Notfallsituation, die aus der aktuellen Markt- und / oder Auftragslage, Projekten, besonderen Produkt- und Kundensituationen resultieren nicht  berücksichtigen. Zudem kann das reine Abarbeiten von Plänen die Lage verschlimmern, wenn zum Beispiel die Umsetzung nur eines Teils der Planung ausreichend wäre. Nur die betroffenen Mitarbeiter müssen bei einem Teilausfall eines Gebäudes die Notfallarbeitsplätze beziehen, das Aussetzen eines kritischen Prozesses kann eine adäquate Lösung sein, wenn die Auslastung aktuell gering ist. Die Steuerung dieser Plan-Ausführung kommt dem Krisenmanagement zu.Die Brücke zwischen dem Business Continuity Management und dem Krisenmanagement bilden die Notfallpläne. Sie sind wichtig für das Krisenmanagement, aber nicht ausreichend und absolut. Neben den Tests und Übungen im BCM kommt daher den Krisenmanagementübungen eine zentrale Bedeutung zu. In diesen Übungen wird neben den Entscheidungsverfahren die Funktionsfähigkeit der Notfallstrategien und -pläne verprobt.

Um mit Brecht zu antworten: die Pläne gehen nicht, sie bilden die Handlungsbasis in Notfällen und müssen durch das Krisenmanagement in adäquater Weise, den konkreten Umständen angepasst, in Kraft gesetzt und umgesetzt werden:

“Sorgfältig prüf ich Meinen Plan;

er ist Groß genug;

er ist Unverwirklichbar.”

Bertolt Brecht