Notbetrieb

Notbetrieb  beschreibt den eingeschrĂ€nkten Betrieb eines GeschĂ€ftsprozesses nach einem Ausfall bzw. einer Unterbrechung. Der Notbetrieb wird fĂŒr kritische GeschĂ€ftsprozesse im Rahmen der Business Impact Analyse des BCM beschrieben. Der Notbetrieb bezieht sich auf die Mindestanforderungen der Ressourcen eines GeschĂ€ftsprozesses, um dessen mindestens erforderliche Ergebnisse im Notbetrieb (MBCO) zu erreichen.

Notfall

Leider gibt es keine einheitliche Begriffswelt im Business Continuity Management fĂŒr die Bezeichnung von GeschĂ€ftsunterbrechungen. GĂ€ngige Bezeichnungen hierfĂŒr sind “Notfall”, “Krise”, “Katastrophe”. Der deutsche Standard BSI 100-4 verwendet diese Begriffe. In der Praxis werden jedoch auch auch Begriffe wie “Störfall” verwendet, die irrefĂŒhrend sind, da es eine Störfallverordnung gibt, die  StörfĂ€lle fĂŒr die betroffenen Unternehmen regelt. Innerhalb eines Unternehmens fĂŒhren unterschiedliche Begriffsverwendungen zu MissverstĂ€ndnissen. Zum Beispiel zwischen dem BCM und der IT. Die IT verwendet Begrifflichkeiten aus der ITIL-Welt und versteht unter einem IT-Notfall etwas anderes als das BCM. In der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen werden unterschiedliche Begriffsverwendungen ebenfalls zum Problem: was bedeutet es konkret, wenn ein Unternehmen den Notfall erklĂ€rt. Ist es schon die höchste Eskalationsstufe oder gibt es noch ein oder mehrere Eskalationsstufen zum Beispiel zur Krise und Katastrophe. Eine interne und externe Abstimmung der Begrifflichkeiten und der dahinter liegenden Bedeutung im Unternehmen ist daher zwingend. Ein Glossar bildet die Grundlage hierfĂŒr.

Notfallplan

Der  Notfallplan dokumentiert den Notbetrieb eines Prozesses mit den Ersatzlösungen und Workarounds fĂŒr die kritischen Ressourcen, die Schritte zur Einleitung des Notbetriebs sowie zum Wiederanlauf in den Normalbetrieb. ErgĂ€nzt wird der Notfallplan um Kontaktlisten, Wegbeschreibungen, Hersteller-, Lieferanten und Dienstleisterverzeichnisse.

Nach der zeitlichen Phase können NotfallplÀne unterscheiden werden in

  • GeschĂ€ftsfortfĂŒhrungsplan
  • Wiederanlaufplan.

Dies mĂŒssen nicht zwingendermaßen zwei getrennte Planungsdokumente sein.

In einem Notfall bleibt keine Zeit, umfangreiche Planungsdokumente zu lesen. Auch Piloten arbeiten im Notfall stringent die jeweiligen Checklisten ab. Ich teile daher die Notfallplanung in zwei Teile auf:

  1. Notfallkonzepte:
    Notfallstrategien und -taktiken fĂŒr die Prozesse und Ressourcen. Diese beinhalten die Beschreibung der Ausweich- und Ersatzlösungen fĂŒr Prozesse und Ressourcen
  2. Notfallchecklisten:
    Checklisten fĂŒr Sofortmaßnahmen fĂŒr die wichtigen Szenarien, Schritte zur Einleitung des Notbetriebs und Inbetriebnahme von Ausweich- und Ersatzlösungen, Kommunikation intern und extern. Nach dem Prinzip: wer – macht was – mit welcher PrioritĂ€t – womit und mit wem. ErgĂ€nzt um Kontaktlisten. Notfallchecklisten können neben der klassischen Papierform auch elektronisch als App abgebildet werden.

“Plans are worthless, but planning is everything.” hat Dwight D. Eisenhower in einer Rede bei der National Defense Executive Reserve Conference in Washington DC, 14. November 1957 gesagt.

Die AktivitĂ€ten zur Erstellung der PlĂ€ne, sind elementar, d.h. die inhaltliche Konzeption und Formulierung der Inhalte. Wer einen Plan geschrieben hat, benötigt den Plan selbst nicht mehr, da die Inhalte des Plans “internalisiert” sind. Was fehlt ist das Wissen, ob der Plan auch im Notfall funktioniert.

Die Validierung und EinĂŒbung der PlĂ€ne (“Drills” wie die Amerikaner sagen)ist daher der zweite wesentliche Baustein ein der Notfallvorsorge.