ZF kauft für 100 Millionen insolventen Zulieferer zur Absicherung der Supply Chain

ZF Friedrichshafen ist mit einem Umsatz von fast 13 Milliarden Euro und weltweit 64.000 Mitarbeiter ein bedeutender Zulieferer für Antriebs- und Fahrwerktechnik. Daneben baut ZF derzeit eine Fabrik für Windkraftanlagen. Für eine zuverlässige Produktion ist das Unternehmen als zentraler Zulieferer, und oft single supplier, für die Automobil- und LKW-Industrie auf das Funktionieren der Lieferkette angewiesen. Neben den aktuellen Lieferproblemen für Elektronikteilen aus Japan beschäftigt das Unternehmen auch immer wieder Finanzkrisen bei Zulieferern. So jetzt auch beim Lieferanten für die hochwertigen Alu-Gussteile für Getriebegehäuse der Honsel AG aus Meschede. Das Unternehmen mit 3.800 Mitarbeitern, 540 Millionen Euro Umsatz und weltweiten Standorten in Spanien, Mexiko und Brasilien musste am 25. Oktober 2010 den Insolvenzantrag stellen. Zur Absicherung der Lieferkette hat ZF Friedrichshafen jetzt ein Gebot zur Übernahme des Unternehmens in der Größenordnung von rund 100 Millionen Euro abgegeben. “Das ist pure, nackte Absicherung der Lieferkette. Wir gehorchen der Not.”, so Vorstandschef Hans-Georg Härter zu dieser Entscheidung. Die Übernahme der Lieferanten ist das letzte Mittel zur Sicherung der Supply Chain, wenn Lieferanten ins Straucheln kommen. Doch gibt es oftmals keine andere Wahl, um die Versorgung mit den hochwertigen Zulieferteilen abzusichern.

Task Force “Aschewolke” legt Handlungsempfehlungen vor

Die Flugausfälle nach dem Vulkanausbruch auf Island im April vergangenen Jahres haben tiefe Spuren in den Bilanzen der Fluggesellschaften hinterlassen und die Zerbrechlichkeit der internationalen Supply Chains aufgezeigt. Heftiger – über die Medien ausgetragener – Streit ist zwischen den staatlichen Stellen und den Fluggesellschaften über das Vorhandensein und die Wirkung der Aschewolke ausgebrochen. Das Fehlen von eindeutigen Zuständigkeiten, Regel- und Grenzwerten für diese Situationen wurde offensichtlich. Erst im “Tiefflug” konnten die Airlines ihre Maschinen wieder in die Luft bringen. Umso erstaunlicher, als durch Vulkanausbrüche ausgelöste Aschewolken in der Luft international kein unbekanntes Phänomen sind. Lediglich Europa war bislang verschont geblieben.

Vor diesem Hintergrund hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) die Task Force “Aschewolke” gegründet. Sie hat nun einen Katalog von Handlungsempfehlungen für künftige Notfallsituationen vorgelegt.

Zu den Maßnahmenempfehlungen zählt die Festlegung einheitlicher Grenzwerte, die Regelung der Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten im europäischen Luftraum sowie die engere Verzahnung unterschiedlicher Verkehrsträger. Die unterschiedlichen Stellen sind jetzt gefordert, diesen Strauß an Maßnahmen umzusetzen. Mit einem weiteren Ausbruch auf Island oder Stromboli ist jederzeit zu rechnen.

Toyota unterbricht nun auch Produktion in Europa

Nachdem es bereits in den USA Produktionsunterbrechungen bei Toyota wegen fehlender Teile aus Japan gibt, sind nun auch eruopäische Fabriken von Toyota betroffen. In fünf europäischen Werken steht für mehrere Tage die Produktion still weil ein Bauteil aus Japan fehlt. Es handelt sich um Werke in Großbritannien, Frankreich, Türkei und Polen.

Eilmeldung: Lokführer bestreiken ab Mittwochabend den Güter- und Personenverkehr

[Update]

Auch der Personenverkehr soll bestreikt werden. [End Update]

Die Lokführergewerkschaft GDL hat die Lokführer aufgefordert, ab Mittwochabend 20:00 Uhr bis Donnerstag 10:00 Uhr bundesweit den Güterverkehr zu bestreiken.

Damit hat die GDL die Ankündigung wahrgemacht, den Schwerpunkt der Streiks zunächst auf den Güterverkehr zu legen.

Produktions- und Versorgungsengpässe nach Havarie auf dem Rhein

Auf dem Rhein gibt es immer noch eine “Vollsperrung”, nachdem in der vergangenen Woche ein mit Säure beladenes Frachtschiff bei St. Goarshausen kenterte. Zwei Seeleute werden noch vermisst und sind vermutlich tot. Die Stelle wird täglich von etwa 150 Schiffen passiert. Rund 200 Schiffe machen vor Ort Zwangspause, andere liegen in den Häfen fest. Ein Frachtschiff entspricht der Ladekapazität von rund 100 LKW. Der Chemiekonzern BASF berichtet jetzt von ersten Versorgungs- und Produktionsengpässen (FAZ vom 20. Januar 2011). Eine vollständige Verlagerung vom Schiff auf die Bahn ist nicht möglich. Kunden seien über Verzögerungen in der Auslieferung informiert.

Streiks als Risiko in der Supply Chain [Updated]

Das Risiko der Unterbrechung wichtiger Geschäftsprozesse durch Streiks in Deutschland ist eher als gering einzuschätzen. In Deutschland fallen laut dieser in der FR veröffentlichten Statistik durchschnittlich 5 Arbeitstage pro Jahr je tausend Beschäftigte aus. Mit 164 Tagen pro Jahr und tausend Beschäftigten ist Spanien gefolgt von Frankreich (102) und Italien (88) deutlich stärker durch Arbeitsausfälle in Folge von Streiks und Aussperrungen betroffen. Weiterlesen…

SLK-Produktion steht wegen Karmann-Insolvenz

Wiederum zeigt sich die enorme Abhängigkeit der Automobilindustrie von den Zulieferfirmen.

Wegen fehlender Zulieferungen von Karmann musste Daimler im Werk Bremen die Produktion des Mercedes-Benz SLK stoppen. “Der Rohbau stand gestern und heute” zitiert Handelsblatt News am Abend einen Sprecher von Mercedes heute.

Zwischen Daimler und Karmann gibt es zudem Streit über gegenseitige Forderungen.

Karmann hatte im Frühjahr Insolvenz beantragt und im Sommer den Fahrzeugbau stoppen müssen. Die Zukunft der Entwicklungssparte, von Cabrio-Dach-Bau, Werkzeugbau und Fertigung ist ungewiss. Zerschlagung, Verkauf an einen Investor, Management Buy Out sowie der Einstieg von VW werden derzeit als Optionen für das ehemals strahlende Familienunternehmen gehandelt. Das Sagen hat jetzt der Insolvenzverwalter.

Die Automobilindustrie reagiert auf die Abhängigkeit von der krisengeschüttelten Zuliefererindustrie mit finanziellen Stützungsaktionen und nimmt damit quasi Bankfunktionen wahr sowie der Beteiligung an kritischen Dienstleistern.

Die gebeutelten Zulieferer suchen ihr Heil in der Größe durch Zusammenschlüsse und Aufkäufen in der weiteren Zuliefererkette.

“Wenn der Daimler hustet, dann bekommt die Region eine Lungenentzündung” so ein bekannter Spruch im Schwäbischen. Umgekehrt gilt allerdings auch, wenn ein Zulieferer ausfällt, stehen schon mal die Bänder still oder die Fahrzeuge türmen sich auf den Parkplätzen und können nicht ausgeliefert werden, weil ein entscheidendes Bauteil fehlt.

Die kritischen Lücken in der Pandemieplanung

Die Herausforderungen in der Erstellung einer funktionsfähigen Pandemieplanung wurde bereits im Artikel zum “Klinik-Workshop” deutlich. Insbesondere die mangelnde Koordination der zahlreichen Pandemiepläne zwischen den Krankenhäusern und Hilfsorganisationen wie auch zu den Dienstleistern wurde in dem Workshop bereits angesprochen. Die Pandemieplanung erfordert hochgradig systemisches und vernetztes Denken und Handeln, um auch nur im Ansatz funktionsfähig sein zu können. Dies zeigt jetzt auch eine Studie des Center for Infectious Disease Research & Policy der University of Minnesota mit dem Titel “Pandemic Influenza, Electricity, and the Coal Supply Chain”. Weiterlesen…

Ausfall eines Lieferanten führt zu Produktionsstop bei Chrysler

LieferantDer Ausfall eines zentralen Lieferanten für Plastikteile des amerikanischen Autobauers Chrysler hat zu ersten Produktionsausfällen in den USA geführt. Der US-Hersteller Plastech Engineered Products hat Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Zuvor hatte Chrysler den Vertrag mit dem Lieferanten gekündigt. Bis Ende der Woche könnten laut Angaben einer Untenehmenssprecherin alle 14 nordamerikanischen Fabriken von einem Produktionsstop betroffen sein. Der Ausfall in dieser Woche soll Chrysler bereits 225 Mio US-Dollar gekostet haben. Chrysler fordert nun von dem Lieferanten wichtige Werkzeuge zur Produktion der dringend benötigten Teile.