Forschung am “H5N1-Killervirus” soll wiederaufgenommen werden

Vor rund einem Jahr erklärten Wissenschaftler weltweit ein Moratorium für die weitere Forschung an mutierten H5N1-Viren, die sich wie das Schweinegrippe-Virus leicht übertragen lassen und gleichzeitig die hohe Sterblichkeitsrate des Vogelgrippe-Virus besitzen. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung FAS verfügt jetzt über Informationen, dass dieses Moratorium in der kommenden Woche beendet werden soll. In dem Beitrag der FAS, der es sogar auf die Titelseite gebracht hat “Forscher dürfen Killerviren züchten”, wird der amerikanische Risikoforscher Peter Sandman zitiert. Nach seinen Erkenntnissen kämen Laborunfälle in den Biowissenschaften häufig vor. Die meisten blieben geheim, so Sandman, und Beinahe-Unfälle würden weder gemeldet noch katalogisiert und ausgewertet. Eine Diskussion unter den Experten ist entbrannt, die zeigt, dass das einjährige Moratorium offensichtlich nicht genutzt worden ist, um einen Konsens über eine sichere Vorgehensweise in der Forschung mit “Killerviren” zu erzielen. Ausser Frage ist, dass sogenannte “Killer-Viren” wie SARS, Ebola oder Pocken in den falschen Händen eine verheerende Waffe darstellen.  Demgegenüber steht der Erkenntnisgewinn aus der Forschung mit diesen Viren. Wieder stehen wir vor der schwierigen Situation des Risikomanagements: wieviele Risiken wollen wir akzeptieren, welche Strategien gibt es, diese Risiken zu mindern oder soll ganz auf “Vermeidung”, also “Forschungsstopp” gesetzt werden. Wieder hilft ein Blick in die Luftfahrt. Die Menschen wollen günstig und schnell in den Urlaub fliegen. Doch Fliegen ist potentiell gefährlich und gar tödlich (wenn auch nicht so gefährlich wie die tägliche Fahrt mit dem Auto 😉 ). Die Luftfahrtbranche hat über Jahre ein hoch wirksames Sicherheitssystem entwickelt, das dazu geführt hat, dass 2012 als das Jahr mit den wenigsten Toten im zivilen Luftverkehr in die Geschichte eingeht. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – der öffentlichen Meldungen über technische Probleme bei den aktuellen Neu-Entwicklungen von Airbus und Boeing. Wir können uns darauf verlassen, dass für die Sicherheit alles menschenmögliche – und nicht nur alles wirtschaftliche – getan wird. Wenn man die jetzt aufkeimende Diskussion der Experten über die Sicherheit in der Forschung mit “Killerviren” verfolgt, muss man zum Schluß kommen, dass auch das Moratorium keine internationalen Standards und Sicherheitsmechanismen hervorgebracht hat. Solange aber nicht ein mindestens mit der Luftfahrt vergleichbares internationales Sicherheitssystem existiert, in dem Vorfälle gemeldet werden, unabhängige Audits durchgeführt werden und nachweislich nicht nur das wirtschaftliche, sondern das menschenmögliche für die Sicherheit unternommen wird, sollte das Moratorium verlängert werden. Und diese Zeit muß für die Entwicklung dieses Sicherheitssystems genutzt werden, wie auch für die glaubhafte Dokumentation dieser Maßnahmen an die Öffentlichkeit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO steht hier in einer großen Verantwortung, denn dies kann nur auf internationaler Ebene geschehen. Ein Flugzeugabsturz kann viele hunderte von Menschenleben kosten, ein “Killer-Virus” in den Händen von Terroristen bedroht Millionen von Menschen weltweit.

Mindestens 4.000 Schulkinder an Brechdurchfall erkrankt

Nach Meldungen des Robert Koch Institut sind mindestens 4.000 Schulkinder in mehreren Bundesländern gleichzeitig an Brechdurchfall (Gastroenteritis) erkrankt. Die Erkrankungen sind mit großer Wahrscheinlichkeit auf das Kantinenessen in Schulen und Betreuungseinrichtungen zurückzuführen. Die Einrichtungen werden vermutlich vom gleichen Lieferanten versorgt. Derzeit laufen noch Untersuchungen, um die Herkunft zu ermitteln. Hierzu arbeiten die Lebensmittelbehörden des Bundes und der Länder eng zusammen.

Quelle: RKI

Erneut ein Beispiel dafür, wie in kurzer Zeit viele Menschen durch die gleiche Ursache ausser Gefecht gesetzt werden können. Es ist oftmals nicht die spektakuläre Epidemie oder Pandemie, sondern die banale Fahrlässigkeit eines zentralen Lieferanten, Dienstleisters oder der eigenen Mitarbeiter, die zu einem Personalausfall führen kann. Bei einer Epidemie oder Pandemie sind zudem immer viele Unternehmen und Organisationen betroffen. Das Verständnis für eine mangelhafte Leistungsbereitschaft ist groß. Jeder hat mit sich selbst zu tun. Ist jedoch nur das Unternehmen alleine betroffen, kommt zum Stress der Wiederherstellung der vollen Leistungsfähigkeit auch noch die volle Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, Kunden, Partner und Medien. Die Erwartungshaltung an eine schnelle Wiederherstellung ist hoch und das Verständnis für die Ursache gering.

WHO verschärft Meldepflichten für neuen Virus der SARS-Familie

Die Weltgesundheitsbehörde WHO hat weltweit die Meldepflichten für den neu aufgetretenen Virus der SARS-Familie, den Coronavirus, verschärft. Mediziner sollen alle Patienten mit akutem respiratorischen Syndrom, die sich in möglicherweise in Saudi Arabien oder Katar aufgehalten haben, melden. Saudi Arabien trifft darüber hinaus besondere Vorkehrungen für die traditionelle Pilgerfahrt der Muslime nach Mekka, die Haddsch. Über zwei Millionen Muslime werden im Oktober erwartet. Der mit dem Coronavirus infizierte Patient aus Katar, wird nach wie vor in Großbritannien behandelt. Sechs Personen in Dänemark mit verdächtigen Infektionen waren nicht mit dem neuen Coronavirus infiziert.

Quelle: Reuters

Neuer Virus der SARS-Familie in Großbritannien identifiziert

In Großbritannien wird ein Mann aus Katar mit einem neuen Virus der Corona-Virenfamilie behandelt. Zu den Corona-Viren zählt auch der Virus SARS (Schweres akutes Respiratorisches Syndrom), der 2002 und 2003 zu einer Epidemie vor allem im asiatischen Raum mit fast 1.000 Todesopfern führte. Auch am Flughafen Frankfurt gab es einen SARS-Fall bei der Einreise zu bewältigen. Im Mai 2004 konnte die SARS-Epidemie als beendet erklärt werden. Der 49-jährige Mann kam in Katar ins Krankenhaus zur Behandlung und wurde dann in eine britische Klinik zur Weiterbehandlung überführt. Er leidet an einer Lungenentzündung und akutem Nierenversagen. Die Corona-Viren infizieren die Atemorgane und sind leicht übertragbar. Das Virus ist dieses Jahr bereits in ganz ähnlicher Form mit fast 99,5 prozentiger Übereinstimmung bei einem saudischen Patienten aufgetreten. Der 60-jährige verstarb nach kurzer Zeit an dem Virus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO untersucht die Fälle weiter, hat aber bislang keine Reisewarnung oder andere Vorsichtsmaßnahmen herausgegeben. Auch wurden bislang keine weiteren Ansteckungen identifiziert.

WHO Global Alert Coronavirus

 

Studien zur Vogelgrippe werden nun doch veröffentlicht

Nach einer langandauernden Debatte über die Veröffentlichung zweier Forschungsergebnisse zu mutierten hochansteckenden H5N1-Virenstämmen werden die Foschungsergebnisse in modifizierter Form nun doch veröffentlicht. Nachdem die Veröffentlichung zuvor durch die amerikanische NSABB (National Science Advisory Board for Biosecurity) und die WHO aus Sicherheitsbedenken abgelehnt wurde, dürfen die geänderten Fassungen jetzt veröffentlicht werden. Die Umstände, die zu dieser Meinungsänderung geführt haben, sind jedoch alles andere als transparent. Zunächst hatten die Forscher selbst die Tragweite ihrer Ergebnisse relativiert und damit die Bedrohung durch die Verwendung der Ergebnisse durch Terroristen für einen Anschlag. Durch eine Mutation haben die Forscher H5N1-Virenstämme erzeugt, die leicht übertragbar sind. Der bis heute auftretende H5N1-Virus weist zwar eine hohe Sterblichkeitsrate auf, ist jedoch nur schwer von Tier auf Menschen übertragbar. Die 353 H5N1-Todesfälle betreffen vor allem Personen, die in direktem engen Kontakt mit infiziertem Geflügel standen. Ein maßgeblicher Beweggrund zur Freigabe der Forschungsergebnisse dürfte jedoch politischer Natur sein, wie dieser Artikel aufzeigt. Die WHO bemüht sich eine internationale Allianz der Staaten zur Bekämpfung der Infektion zusammenzubringen. Indonesien und andere Staaten weigern sich jedoch, Virenstämme international für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen. Würden die Forschungsergebnise nicht veröffentlicht werden, erhielten diese Staaten Argumente für ihre Abwehrhaltung und die schwache internationale Zusammenarbeit bei der Forschung und Bekämpfung der Epidemien könnte zusammenbrechen.

Droht uns eine neue EHEC-Infektionswelle?

Derzeit werden in der Presse wieder gehäuft Fälle von EHEC-Infektionen herausgegriffen und berichtet. Gerade heute ist dies wieder der Fall. Bei allen berichteten Fällen verlief die Infektion harmlos. Um diese Presse-Meldungen in einen Kontext zu stellen: dem Robert Koch Institut RKI liegen für 2012 bislang insgesamt 121 Meldungen über EHEC-Infektionen vor (Quelle: Robert Koch-Institut: SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand: 29.02.2012). Für den Serotyp O104:H4, der für die schwere Infektionswelle 2011 mit 53 Todesfällen verantwortlich war, liegen für das Jahr 2012 bislang keine Meldungen vor. Wenn man sich diese Fakten vor Augen hält, handelt sich derzeit daher eher um von der Presse heraugegriffene Einzelfälle als um eine echte aktuelle Bedrohungslage einer neuerlichen schweren Infektionswelle.

EHEC-Todesfall in Hamburg

In Hamburg ist laut einer Meldung des Spiegel ein sechsjähriges Mädchen an den Folgen einer EHEC-Infektion gestorben. Das Kind starb in der Nacht zum Sonntag in einem Krankenhaus in Hamburg an den schweren Nierenschäden.

Im vergangenen Jahr waren über 50 Menschen an einer EHEC/HUS-Infektion gestorben. Als Ursache wurden Bockshornkleesamen aus Ägypten identifiziert. Die Epidemie wurde im Juli vergangenen Jahres vom RKI als beendet erklärt. Ist dies ein neuerlicher Ausbruch der Epidemie?

Bereits vor wenigen Tagen war der EHEC-Erreger in einer Leipziger Kita aufgetreten. Mindestens zwei Kinder haben sich mit dem Erreger infiziert, haben sich aber mittlerweile von der Erkrankung wieder erholt.

Bereits 16 Tote in den USA durch mit Listerien verseuchte Melonen

Mit Listerien verseuchte Melonen haben in den USA zu mindestens 16 Todesfällen und über 70 Erkrankungen geführt. Das CDC  (Centers for Diesease Control and Prevention) rechnet mit weiteren Todesfällen, da die Inkubationszeit bis zu vier Wochen beträgt. Die Farm in Colorada, in welcher die infizierten Melonen der Marke ““Rocky Ford Cantaloupes” erzeugt wurden, ist mittlerweile identifiziert und die Produkte wurden zurückgerufen. Die Krankheitswelle startete am 4. August und betrifft 18 Bundesstaaten. Am stärksten betroffen ist New Mexiko mit vier Todesfällen. Insbesondere ältere Menschen und Personen mit einem geschwächten Immunsystem sind durch die Infektion gefährdet. Es gibt mittlerweile 72 nachgewisene Infektionsfälle. Die meisten der Verstorbenen waren älter als 60 Jahre, zwei über 90. Es handelt sich um die tödlichste Lebensmittelinfektion seit einem Jahrzehnt in den USA.

Bundesregierung: Strukturelle und kommunikative Konsequenzen aus der EHEC-Krise

Auf die kleine Anfrage der Abgeordneten Nicole Maisch, Friedrich Ostendorff, Birgitt Bender, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Drucksache 17/6806) nimmt die Bundesregierung Stellung zu den Konsequenzen aus der EHEC-Krise.

“Die Zusammenarbeit innerhalb der Bundesregierung und zwischen Bund und Ländern hat von Beginn des Ausbruchgeschehens an gut funktioniert. Das BMELV hat als zuständiges Ressort für die Lebensmittelsicherheit einen Krisenstab einberufen, in den das BMG und das RKI eingebunden waren. Beim RKI wurde unverzüglich das Lagezentrum zur Koordinierung der Untersuchungsaktivitäten im humanmedizinischen Bereich und zum schnellen Informationsaustausch aktiviert. Die fachliche Zusammenarbeit zwischen dem RKI,dem BfR und dem BVL war zielorientiert und hat gut funktioniert.”

“Grundsätzlich setzt das von der Krisenlage überwiegend betroffene Ressort seinen Krisenstab oder einen ressortgemeinsamen Krisenstab ein. Durch die Entsendung von Verbindungsbeamten und Fachberatern anderer Ressorts und Behörden in diesen Krisenstab ist sichergestellt, dass alle von der Krisenlage betroffenen Ressorts und Behörden mit ihrer jeweiligen Fachexpertise den Krisenstab/Leitung des Krisenstabes beraten und unterstützen.”

“Als erste Konsequenz aus dem Geschehen ist im Rahmen des laufenden Gesetzgebungsvorhabens zur Durchführung der Internationalen Gesundheitsvorschriften eine substanzielle Beschleunigung des Melde- und Übermittlungsweges
für Infektionskrankheiten vorgesehen. Namentliche Meldungen durch Ärztinnen und Ärzte sollen danach künftig spätestens innerhalb von 24 Stunden an das zuständige Gesundheitsamt und von dort spätestens innerhalb von drei Tagen an das RKI übermittelt werden.”

RKI betrachtet EHEC-Ausbruch als beendet

Nachdem der letzte Erkrankungsbeginn mit EHEC drei Wochen zurückliegt und es keine Neuinfektionen gibt, betrachtet das Robert Koch Institut RKI den EHEC-Ausbruch als beendet. In den Informationen zum EHEC-Ausbruch berichtet das RKi von insgesamt 4.321 EHEC/HUS-Erkrankungen mit 50 Todesfällen.

“Aktuelle Ermittlungsergebnisse ergaben keine Hinweise, dass andere Samenarten als Bockshornkleesamen mit EHEC-Infektionen in Zusammenhang stehen. Aus Ägypten importierte Bockshornkleesamen sowie Sprossen und Keimlinge, die aus diesen Samen gezogen wurden, sollten aber weiterhin nicht roh verzehrt werden.”

Bundesbehörden heben Warnungen vor dem Verzehr von Sprossen und Keimlingen auf

Die Bundesbehörden RKI, Bundesinstitut für Risikobewertung sowie Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit haben die Verzehrwarnungen für Sprossen und Keimlinge aufgehoben:

“Aus Sicht der Bundesbehörden gibt es nach Vorlage weiterer Informationen aus den Bundesländern keinen Grund mehr für die Empfehlung, zum Schutz vor Infektionen mit EHEC O104:H4 Sprossen und Keimlinge generell nicht roh zu verzehren. Die aktuellen Ermittlungsergebnisse ergaben keine Hinweise, dass andere Samenarten als Bockshornkleesamen mit EHEC-Infektionen in Zusammenhang stehen. Aus Ägypten importierte Bockshornkleesamen sowie Sprossen und Keimlinge, die aus diesen Samen gezogen wurden, sollten aber weiterhin nicht roh verzehrt werden.”

“Sollten in Privathaushalten noch Bockshornkleesamen für Sprossen und Keimlinge vorhanden sein, die in den Jahren 2009 bis 2011 gekauft wurden, sollten diese mit dem Restmüll entsorgt werden. Dies trifft auch für Samenmischungen zu, die Bockshornkleesamen enthalten.”

Deutsche Bauern melden 16 Millionen Euro Schaden durch Ehec

Nach dem Einbruch des Marktes für Gemüse als Folge der Ehec-Epidemie haben die 10.000 deutschen Gemüsebauern einen Schaden von 16 Millionen Euro an die Landesbehörden gemeldet. Damit fallen die Schäden weit geringer aus als ursprünglich befürchtet. Der deutsche Bauernverband hatte mit Schäden von 75 Millionen Euro gerechnet. Europaweit stehen rund 210 Millionen Euro für Entschädigungen zur Verfügung. Hart hat es insbesondere auch die spanischen Anbauer von Gurken getroffen, die zunächst im Verdacht standen, die Ehec-Epidemie ausgelöst zu haben. Die spanischen Bauern schätzen ihre Einnahmeausfälle auf rund 200 Millionen Euro, die holländischen Produzenten sprechen gar von 350 Millionen Euro. Mittlerweile wurden Bockshornkleesamen aus Ägypten als Verursacher der Epidemie identifiziert. 48 Menschen starben, über 4.000 sind zum Teil schwer erkrankt und mit bleibenden Nierenschäden. Die Infektionswelle ist mittlerweile abgeflaut. Die letzte Erkrankung mit dem Erreger EHEC-O-104 war am 07. Juli diesen Jahres.