Ein richtiger Notfall zu Hause

Heute haben wir unseren ganz privaten Notfall zu Hause geprobt. Plötzlich war im ganzen Haus der Strom weg. Der Familienkrisenstab ist nach der Alarmierung kurzfristig telefonisch zusammengetreten. Dies hat ohne große Übungen hervorragend geklappt. Dabei war dies zunächst gar nicht so einfach. So schön die DECT-Funktelefone im Alltag auch sind, aber ohne Stromversorgung der Basisstationen geht einfach gar nichts mehr. Unglücklicherweise gibt es im Keller, wo der zentrale Sicherungskasten seine Heimat hat, keine Mobilfunkverbindung. Eben wie im richtigen (Notfall-) Leben. Aber ein BCM-Berater hat natürlich ein altmodisches schnurgebundenes Telefon im Büro, das seinen Strom aus der ISDN-Leitung bezieht. Nachdem der Hauptschalter geortet war und der Strom nach einigen Treppengängen zwischen Stromkasten im Keller und Krisenstabs-Telefon im Büro im ersten Stock (!) wieder geschaltet war, dauerte es allerdings nur wenige Minuten bis zum nächsten totalen Stromausfall. Durch Ausprobieren und  Überlegung konnte das anfangs diffuse Lagebild aufgeklärt werden. Die Ursache musste sich innerhalb des Hauses befinden und es konnte wahrscheinlich kein Kleingerät sein, das den Stromhaushalt so durcheinander bringt. Der Verdacht fiel schnell auf den Wäschetrockner, der als Verursacher dann auch eingekreist werden konnte. Der Notfall konnte deeskaliert werden, der Techniker ist bestellt. Jetzt hoffen wir morgen keine böse Überraschung  in Form ungeplanter größerer Haushaltsanschaffungen erleben zu müssen.

Die persönlichen  Erkenntnisse für das BCM aus diesem Vorfall bestätigen wieder die zentrale Rolle des Stroms in der Versorgung.

Ohne Strom

  • kein Licht
  • keine Heizung (im Winter!)
  • kein Telefon (ohne funktionierende Ladestation bald auch kein Handy)
  • kein Kühlschrank, kein Herd, keine Mikrowelle
  • kein PC, kein Internet etc.

Jetzt ein Notstromaggregat anschaffen? Wenn nur unser Haushalt betroffen ist, können die Nachbarn erste Hilfe leisten. Wenn die ganze Region betroffen ist, haben leider die Tankstellen auch keinen Strom für die Pumpen, um mir den nötigen Sprit zu zapfen. Ein Tanklager für das Notstromaggregat würde die Vorsorgeaufwände auf die Spitze treiben und den Haushaltsvorstand erzürnen. Eine Risiko-Abwägung wie im richtigen BCM-Leben eben.

5 Responses

  1. Matthias Hämmerle

    Der Techniker war da. Es war, wie vermutet, tatsächlich der Wäschetrockner. Jetzt aber das absurde:
    Der Wäschetrockner ist völlig in Ordnung. Der Haushaltsvorstand musste kurzfristig zum Arzt und die feuchte Wäsche ist kurze Zeit im Trockner geblieben. Daraufhin sprang der Feuchtesensor an und hat die Hauptsicherung rausgehauen. Das ist korrekt so, sagt der Spezialist (!!???). Offensichtlich “designed for disaster”. Der Notfall geht also in die Statistik der “man made disasters” ein. Ich hätte dies eher als technische Fehlfunktion gesehen. Aber diese Effekte kennen wir ja auch aus der Software -Entwicklung: it´s a feature – not a bug. Jetzt also auch bei der sogenannten “Weissen Ware”.

  2. Christoph Müller

    Vielen Dank für die anschauliche und erheiternde Notfallbeschreibung.

    Bei uns zu Hause habe ich festgestellt, daß wir an der Privat-BCM-Awareness arbeiten müssen. Als neulich Nachts um 4:17 Uhr der Feuermelder vor den Kinderzimmern anging, waren nur die Eltern (einen Stock tiefer!) wach und in heller Aufregung. Die Kinder schliefen bis zum Morgen durch und versicherten, daß Sie nichts gehört hatten.

    Es ist auf der einen Seite für die Eltern gut, wenn man Ruhe hat, aber auf der anderen Seite beunruhigend, daß keiner reagierte.

    Wir haben jetzt vom Top-Management beschlossen, daß wir Probeevakuierungen durchführen werden. 😉

    Gruss

    Christoph Müller

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