Weltkatastrophenbericht 2008: Kosten von Katastrophen verdoppelt

Stark steigende Schadenssummen, sinkende Opferzahlen, dies ist eines der Ergebnisse des Weltkatastrophenbericht 2008 der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Halbmondgesellschaften.

Der Bericht schätzt die in 2007 durch Katastrophen enstandenen Schäden auf 63,5 Milliarden Dollar, 2006 waren es noch 36,8 Milliarden Dollar. Der jährliche Durchschnitt der Schadenssummen liegt bei 80 Milliarden Dollar.

Die Zahl der Todesopfer ist auf den niedrigsten Stand seit 1997 gesunken: Es kamen 23.167 Personen ums Leben. Die verheerendste Katastrophe war der Zyklon Sidr in Bangladesch, der 4234 Menschenleben forderte.

In 2007 wurden insgesamt 657 Katastrophen gezählt:

  • 405 Naturkatastrophen
  • 252 technische Katastrophen z. Bsp. Industrieunfälle

18 dieser Katastrophen haben jeweils mehr als eine Million Menschen getroffen:

  • Überschwemmungen in China: 100 Millionen Menschen
  • Überschwemmungen in Indien udn Bangladesch: je 10 Millionen Menschen.

Schwerpunkt des Berichts ist Aids:

In den Staaten südlich der Sahara ist Aids die Todesursache Nummer eins.

Quelle: faz.net

Anmerkungen:

Stark steigende Schadenssummen bei Unfällen und Katastrophen sind einer der deutlichen Trends bei Katastrophen.

In den USA gabe es im Zeitraum zwischen 1950 und 1959 20 größere Katastrophen mit einer Schadenssumme von insgesamt 38 Milliarden Dollar (Wert 1998).

Zwischen 1990 und 1999 gab es im Vergleich 82 größere Katastrophen mit einer Schadenssumme von 535 Milliarden Dollar.

Die Anzahl der Katastrophen hat sich mit dem Faktor 1,4 erhöht, die Schadenssumme ist jedoch mit einem Faktor 14 gestiegen.

(Quelle: The Next Catastrophe, Charles Perrow, 2007, Princeton University Press).

Was sind die Ursachen hierfür?

Einer der Gründe ist die zunehmende Konzentration von Menschen und Vermögenswerten in dicht besiedelten Gebieten und vor allem auch in gefährdeten Gebieten:

New Orleans liegt unter dem Wasserspiegel und wird nur durch (brüchige) Dämme trockengehalten, Los Angeles befindet sich auf einer Erdspalte, ein Airbus A380 wird mindestens 550 Menschen an Bord haben …

Der Trend zu Kostenreduktion und Effizienzsteigerung hat diesen Trend zur Konzentration in den Unternehmen weiter verstärkt. In Frankfurt haben die Banken in den vergangenen Jahren gezielt Gebäude entmietet und ihre Mitarbeiter in den zentralen Gebäuden zusammengezogen. Die Automobilindustrie stützt sich auf wenige Lieferanten, die aber für gesamte Komponenten oder sogar die gesamte Fahrzeugproduktion (Porsche Boxster und Cayman bei Valmet und ab 2012 zukünftig bei Magna Steyr) verantwortlich zeichnen. Diese Konzentration schafft enorme Effizienzgewinne, erhöht aber auf der anderen Seite auch das Gefährdungspotential und verringert die Flexibilität bei einer Störung. Hierz zählen auch die “Kopfmonopole”, die es in allen Unternehmen gibt, und ohne die vieles nicht mehr gehen würde.

Viele Unternehmen haben diese Risiken jedoch aufgrund einseitiger Kostenorientierung aus dem Blick verloren. Die Vorsorge wurde nicht entsprechend angepasst: Ausweicharbeitsplätze für den Notbetrieb wurden beispielsweise in diesem Zuge wegrationalisiert. Jetzt gilt es im Gegenzug die Flexibilität und Widerstandsfähigkeit der Unternehmen zu erhöhen, um die Balance von Risiko und Chance wiederherzustellen.

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