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28. Juli 2014 · Allgemein

Was ist aus dem Hype-Thema “Resilience” geworden?

Es gab eine Zeit im BCM, da musste jede Veranstaltung und jeder Artikel das Wort “Resilience” im Titel tragen. Mittlerweile ist der Sturm im BCM-Wasserglas abgeebt und neue Säue wichtige BCM-Themen werden durch die BCM-Dörfer getrieben. Just in diesem Moment erscheint der Draft des neuen Standards für Organizational resilience: “BS 65000 Guidance on organizational resilience” von British Standards. Zu spät für den Hype? Ja, für den Hype schon, für die betriebliche Realität in den Organisationen mehr als rechtzeitig. Im Gegensatz zum stärker operativ ausgerichteten BCM-Standard ISO 22301 adressiert dieser Standard ganz eindeutig strategische und kulturelle Themenstellungen und damit das Top-Management. “This British Standard is intended for top management and seeks to describe organizational resilience, articulate its benefits, and describe what more resilient organizations do, what they have and what they are, before offering guidance on building a more resilient organization.”

Der Standard verschweigt nicht die Zielkonflikt zwischen Resilienz und den konkurrierenden betriebswirtschaftlichen Zielen wie Kostenoptimierung, Prozesseffizienz und -geschwindigkeit. Eine höhere Resilienz “capacity of an organization to anticipate, and respond and adapt to, incremental change and sudden shocks in order to survive and prosper” ist nicht ohne Aufwand und Kosten zu erreichen. Die Balance ist in einer Risikoabwägung durch das Management zu entscheiden, wobei es den Grad der absoluten Widerstandsfähigkeit nicht gibt. Die Belohnung für mehr Resilienz besteht aus einer höheren Anpassungsfähigkeit, einer besseren Wettbewerbsfähigkeit, höherer Effizienz und Effektivität, mehr Kohärenz sowie einer besseren Reputation der Organisation. Klingt wie Weihnachten, doch der Weg dorthin ist steinig und Resilienz liegt nicht mit einem Schleifchen verziert unterm Baum!

Das Thema Kohärenz (Zusammenarbeit / Zusammenhalt) macht dies in aller schonungslosen Klarheit deutlich:

“the protective disciplines that should be integrated should include, but not be limited to, the following:

  •  risk management;
  •  reputation management;
  •  horizon scanning;
  •  environmental management;
  •  health and safety;
  •  fraud control;
  •  business continuity;
  •  ICT continuity;
  •  information security;
  •  physical security;
  •  technical security (including cyber security);
  •  supply chain;
  •  financial control; and
  • quality management”.

Eine Aufzählung, die nicht vollständig ist und die Sie beliebig erweitern dürfen.

Hier könnte der Hund begraben liegen, warum mancher schmerzhaft die Augen geschlossen hat und sich vermeintlich gewinnbringenderen BCM-Themen mit mehr “quick wins” zugewandt hat. Schon die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Disziplinen wie BCM und ITSCM oder BCM und Risikomanagement gleichen in der betrieblichen Realität einer Echternacher Springprozession (3 Schritte vor, zwei zurück), wenn überhaupt die Köpfe aus den vertrauten heimeligen Silos gesteckt werden.

Und doch gibt es Ansätze zur Hoffnung abseits der großen Schlagzeilen. Viele Unternehmen haben die Risiken in ihren Lieferketten erkannt und beginnen diese gezielt robuster auszugestalten. Die verheerende Flut in Thailand 2012, der Tsunami in Japan, die Brände in den Textilfabriken in Bangladesh sowie zahlreiche Rückrufe in der Automobilindustrie haben die Zerbrechlichkeit der Lieferketten demonstriert und die singuläre Ausrichtung auf das  Ziel der reinen Kostenoptimierung relativiert. BCM, Einkauf, Risikomanagement, Recht müssen mit den Lieferanten auf den verschiedenen Ebenen der Lieferkette hierzu Hand in Hand zusammenarbeiten, um mehr Robustheit in allen Stufen der Lieferkette unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu erreichen.

Organisatorische Resilienz ist daher mehr ein Zielbild als ein organisatorisches Konzept, das in kurzer Zeit umgesetzt werden kann. Es lohnt sich aber aus meiner Sicht ohne Zweifel, diesen mühsamen beschwerlichen Gang zur verstärkten Integration der Disziplinen für ein gemeinsames Zielbild zu gehen und die geliebten Silos Stück für Stück einzureißen. Das Management wird diesen Standard kaum selbst lesen, die Integration der Disziplinen aber unter Effizienz-und Kostenaspekten nachhaltig einfordern. Regulatorik und Gesetzgeber werden die Integration der Methoden und Verfahren ebenfalls einfordern und in Normen verbindlich machen. Organisatorische Resilienz ist zwar aktuell weitgehend aus den BCM-Schlagzeilen verschwunden, aber wichtiger denn je. Dem Hype folgt  jetzt die harte Kärnerarbeit in der betrieblichen Praxis. Der neue Standard für Resilienz kommt hierfür zur richtigen Zeit.

Ich freue mich auf Ihre Kommentare, Anregungen und Kritik!

Wenn Sie diesen Artikel gerne in einer geschlossen Gruppe kommentieren oder diskutieren wollen, können Sie dies gerne im BCM-Forum tun (www.bcm.community).

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